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Deloitte Austrian Tax Survey 2026: Zu teures und komplexes Steuersystem schwächt Österreichs Wettbewerbsfähigkeit

  • Standort unter Druck: Drei Viertel der Unternehmen bewerten das österreichische Steuersystem im europäischen Vergleich als besonders herausfordernd
  • Hohe Belastung: Steuern und Abgaben sowie Bürokratie sind laut Umfrage die größten Risiken für die Wettbewerbsfähigkeit
  • Widersprüchliche Signale: Ständige politische Steuerdiskussion sorgt für Unsicherheit und erschwert Planbarkeit
  • Klare Forderungen: Unternehmen brauchen Steuererleichterungen und mehr Planungssicherheit

Österreichs Wettbewerbsfähigkeit verliert im internationalen Vergleich weiter an Boden. Wie eine aktuelle Deloitte Studie zeigt, ist dies vor allem dem heimischen Steuersystem geschuldet. Um den Standort steuerlich wie wirtschaftlich wieder attraktiver zu machen, braucht es dringend Reformen. Investitionen müssen erleichtert und Bürokratie abgebaut werden.

Wien, 16. September 2026 – Der Wirtschaftsstandort Österreich steht unter Druck. Das zeigt eine Befragung des Beratungsunternehmens Deloitte. Dafür wurden rund 300 Führungskräfte zu den größten wirtschaftlichen und steuerlichen Herausforderungen befragt. Drei Viertel bewerten das steuerliche Umfeld in Österreich im europäischen Vergleich als herausfordernd. Strukturelle Nachteile im Inland – wie etwa hohe Steuern, Abgaben und Bürokratie – werden sogar kritischer bewertet als die aktuellen globalen Entwicklungen.

Auch internationale Standortvergleiche zur Wettbewerbsfähigkeit bestätigen diese Einschätzung: Im aktuellen World Competitiveness Ranking des IMD ist Österreich von Platz 26 auf Platz 29 zurückgefallen. Als wesentliche Schwachstellen nennt das Ranking insbesondere die Steuerpolitik sowie die öffentlichen Finanzen.

Das Steuersystem entwickelt sich zum Bremsklotz für die Wettbewerbsfähigkeit. Laut den Unternehmen braucht es endlich einen klaren Kurswechsel. Sie plädieren für eine allgemeine Steuerentlastung, eine Senkung der lohnabhängigen Abgaben sowie Rahmenbedingungen, die Investitionen fördern. Im internationalen Wettbewerb sind das entscheidende Faktoren, um Österreichs Attraktivität wieder zu erhöhen.

Herbert Kovar, Managing Partner im Bereich Tax & Legal bei Deloitte Österreich

Komplexität und fehlende Planbarkeit belasten Unternehmen

Besonders die Komplexität des Steuersystems ist für die Unternehmen eine Belastung: Drei Viertel empfinden die steuerlichen Regelungen als herausfordernd. Auch die Themen Lohnabgaben (62 %), Betriebsprüfungen und Abgabenverfahren (42 %) sowie steuerliche Compliance und Tax-Management-Prozesse (40 %) sorgen für Kopfzerbrechen.

Zudem bemängeln die Unternehmen die fehlende Planbarkeit. Mehr als die Hälfte der Befragten wird durch politische Diskussionen über neue Steuern verunsichert. Daneben werden häufige Gesetzesänderungen sowie unklare, doppeldeutige und widersprüchliche Interpretationen der Regelungen durch die Finanzverwaltung als problematisch angesehen.

Wenn sich steuerliche Rahmenbedingungen laufend verändern und gleichzeitig neue regulatorische Anforderungen hinzukommen, wird unternehmerische Planung erschwert. Österreichs Unternehmerinnen und Unternehmer müssen sich wieder auf das Steuersystem verlassen können – sie brauchen klare Regeln und ausreichend Zeit für die Umsetzung neuer Vorgaben.

Herbert Kovar, Managing Partner im Bereich Tax & Legal bei Deloitte Österreich

Globale Krisen verschärfen heimische Standortprobleme

Die geopolitische Weltlage sorgt für zusätzliche Unsicherheit: Sechs von zehn Führungskräften (63 %) rechnen mit starken Auswirkungen der weltweiten Entwicklungen auf den österreichischen Standort und damit auf dessen Wettbewerbsfähigkeit. Generell zeigen sich die Unternehmen pessimistisch: Mehr als zwei Drittel der Befragten (68 %) bereitet die aktuelle wirtschaftliche Lage Sorgen, jedes zweite Unternehmen sieht die eigene Geschäftstätigkeit davon betroffen. Seit der Veröffentlichung des Deloitte Radar im Frühjahr hat sich die Stimmung in den Unternehmen weiter merklich eingetrübt.

Unser Steuersystem ist zu teuer, zu kompliziert und zu behäbig. Die internationale Lage lässt sich nicht steuern – die Standortbedingungen schon. In einem zunehmend unsicheren Umfeld muss die Politik dort ansetzen, wo sie selbst Gestaltungsspielraum hat: bei Steuern, Bürokratie und Investitionsbedingungen. Steuerpolitische Maßnahmen dürfen nicht isoliert betrachtet werden, sondern müssen Teil einer umfassenden Standortstrategie sein. Die Wirtschaftspolitik muss auf Investitionen und Wachstum ausgerichtet werden – nur so hat Österreich langfristig eine Chance.

Herbert Kovar, Managing Partner im Bereich Tax & Legal bei Deloitte Österreich