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Pulse Check Patientenportal

Ungenutzte Potenziale digitaler Patienteninteraktion in deutschen und österreichischen Krankenhäusern

Patientenportale im Fokus: Ein Stimmungsbild aus der Praxis

Die Digitalisierung der Patient Journey durch Patientenportale bietet erhebliche Chancen: für eine bessere Patient Experience, effizientere Prozesse und eine nachhaltige Entlastung klinischer Ressourcen. Gleichzeitig zeigt sich in der Praxis, dass viele Patientenportal-Initiativen bislang hinter ihren Erwartungen zurückbleiben. 

Der Pulse Check Patientenportal basiert auf über 25 qualifizierten Einzelgesprächen mit Expert:innen und Entscheidungsträger:innen aus deutschen und österreichischen Krankenhäusern. Er gibt einen kompakten Überblick über den aktuellen Reifegrad, bestehende Herausforderungen sowie zukünftige Ambitionen im Umgang mit digitalen Patientenservices. 

Was verstehen wir unter einem Patientenportal?

Im Rahmen des Pulse Checks werden Patientenportale als digitale Interaktionskanäle zwischen Krankenhäusern bzw. Gesundheitsdiensteanbietern und Patient:innen, einschließlich der Übermittlung relevanter Behandlungsdaten definiert. Typische Anwendungsfälle sind u. a. Terminvergabe, Anamnese, Aufklärung, Behandlungs- und Nachsorgepläne oder Informationen rund um den Krankenhausaufenthalt. Der größte Nutzen entsteht, wenn Patientenportale die gesamte Patient Journey – von der Zuweisung bis zur (ambulanten) Nachbehandlung – ganzheitlich abdecken.

Was verstehen wir unter einem Patientenportal?
Im Rahmen des Pulse Checks werden Patientenportale als digitale Interaktionskanäle zwischen Krankenhäusern bzw. Gesundheitsdiensteanbietern und Patient:innen, einschließlich der Übermittlung relevanter Behandlungsdaten definiert. Typische Anwendungsfälle sind u. a. Terminvergabe, Anamnese, Aufklärung, Behandlungs- und Nachsorgepläne oder Informationen rund um den Krankenhausaufenthalt. Der größte Nutzen entsteht, wenn Patientenportale die gesamte Patient Journey – von der Zuweisung bis zur (ambulanten) Nachbehandlung – ganzheitlich abdecken.

Patientenportale werden von Krankenhäusern als entscheidendes Instrument bewertet, um die Patient Experience nachhaltig zu verbessern und gleichzeitig Personalressourcen gezielt zu entlasten.

In Österreich wurde die Anbindung an die elektronische Gesundheitsakte (ELGA) früh als integraler Bestandteil der Digitalstrategie verankert. Bereits heute existieren patientenzentrierte Lösungen wie HerzMobil oder OnkoMobil, die sektorenübergreifend eingesetzt werden und Patient:innen über den gesamten Behandlungsverlauf begleiten. Ziel aktueller Initiativen ist es, Fragmentierung zu reduzieren, Standards zu etablieren und digitale Patientenservices langfristig skalierbar bereitzustellen.

In deutschen Krankenhäusern, mit deren Vertreter:innen wir gesprochen haben, ist jeweils ein vom Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) gefordertes Patientenportal implementiert bzw. befindet sich in Planung. Die aktuell umgesetzten Lösungen beschränken sich jedoch häufig auf wenige, grundlegende Funktionalitäten wie Terminbuchung, Dokumenten-Upload oder einfache Formulare und werden meist nur in ausgewählten Abteilungen eingesetzt. In vielen Fällen dient die Einführung primär der Erfüllung regulatorischer Mindestanforderungen, während eine tiefe Integration in klinische Prozesse und entlang der gesamten Patient Journey noch ausbleibt.
 

Trotz klarer Nutzenpotenziale besteht aktuell noch eine Lücke zwischen Anspruch und Umsetzung. Der Reifegrad bestehender Prozesse und vorhandener Lösungen reicht oft nicht aus, um eine nahtlose digitale Patient Journey zu ermöglichen. 

Aus der klinischen Praxis wird insbesondere berichtet: 

  • Unvollständige Integration in bestehende Prozesse 

  • Skepsis innerhalb der Krankenhausbelegschaft, bedingt durch negative IT‑Vorerfahrungen 

  • „Change‑Müdigkeit“ infolge hoher operativer Belastung und häufiger Restrukturierungen 

Diese Faktoren bremsen die nachhaltige Etablierung digitaler Patientenservices erheblich

Patientenportale werden als wirkungsvoller Hebel gesehen, um zentrale gesundheitsökonomische und strukturelle Herausforderungen zu adressieren: 

  • Ressourcenallokation: Abmilderung der Schere zwischen steigendem Versorgungsbedarf und begrenzten Finanzierungsmöglichkeiten 

  • Versorgungssicherheit: Kompensation sinkender Versorgungsdichten, insbesondere im ländlichen Raum 

  • Informationskontinuität: Vermeidung von Informationslücken entlang der gesamten Patient Journey durch eine gemeinsame, zentrale Datenbasis 

  • Differenzierung: Gezielte Positionierung von Leistungsanbietern für spezifische Behandlungen 

Durch die ortsunabhängige Verfügbarkeit valider Patientendaten lassen sich Informationsstände effizient synchronisieren – mit positiven Effekten auf Prozesskosten, Behandlungsqualität sowie Forschung und Versorgungsmanagement. 

Vernetzte Daten allein heilen noch keine Patient:innen. Durchdachte Prozesse getragen von vernetzt denkenden Menschen steigern die Wirksamkeit und ändern das System.

Michaela Wolkerstorfer-Schneider, Senior Manager Operations Transformation | Deloitte Österreich

Zukunftvision und Handlungsempfehlungen 

Die klinische Versorgungsrealität ist durch hohe Komplexität und zahlreiche Schnittstellen geprägt. Aus Sicht der Patient:innen fehlt häufig die notwendige Prozesstransparenz – mit negativen Auswirkungen auf Vertrauen und Therapietreue.

Eine nachhaltige Weiterentwicklung ist untrennbar mit standardisierten Behandlungspfaden, klar definierten Prozessverantwortungen und einer konsequent an der Patient Journey ausgerichteten Digitalstrategie verbunden. Besonders in den prä- und poststationären Phasen liegen erhebliche Potenziale, um Versorgungsqualität und Organisation neu zu denken.
 

Die technische Entwicklung ist sicher nicht die Herausforderung. Von Beginn an die Organisation mitnehmen, informieren, mitentwickeln lassen – damit kann die Ausrollung gelingen.

Katja Österreicher, Innovationsmanagerin & Product Owner des Patientenportals HalloGesundheit, Vinzenzgruppe

Die Gespräche zeigen klar: Der Erfolg von Patientenportalen ist weniger eine rein technische Herausforderung, sondern vor allem eine Frage der Organisations- und Prozessgestaltung.

Unsere Empfehlungen für eine effiziente Umsetzung:

#1

Einstieg über fokussierte Pilotprojekte mit schneller Wirkung

#2

 Frühzeitige Sicherstellung von Skalierbarkeit und Standardisierung

#3

Neugestaltung von Prozessen statt bloßer Digitalisierung des Status quo

#4

Interdisziplinäre Governance‑Strukturen

#5

Vermeidung technologischer Sackgassen (Interoperabilität, Modularität, ELGA‑Integration)

#6

Konsequentes Change Management mit aktiver Einbindung der Mitarbeitenden

Ein Gesundheitssystem, das exzellente Einzelleistungen erbringt, sich aber nicht an der gesamten Patient:innen-Perspektive ausrichtet, verschenkt Ressourcen und Potenziale, die mittelfristig fehlen werden.

Patrick Schöggl, Director Enterprise Technology & Performance und Leiter
Life Sciences &Health Care | Deloitte Österreich

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