This site uses cookies to provide you with a more responsive and personalized service. By using this site you agree to our use of cookies. Please read our cookie notice for more information on the cookies we use and how to delete or block them.

Bookmark Email Print page

Press article: „Wesentliche Anlegerinformationen“ – Welche Auswirkungen wird dieses Dokument tatsächlich haben?

Wort


DOWNLOAD  

Die Wesentlichen Anlegerinformationen (WA) wurden durch die letzte OGAW Richtlinie, (der vierten Richtlinie der Europäischen Union zu Investmentfonds) eingeführt, welche zum 1 Juli 2011 in Kraft trat. Die Nachfrage nach einem solchen Dokument gab es seit Langem. Bisher standen dem Anleger, abgesehen vom Verkaufsprospekt, nur wenige Informationen zur Verfügung. Zudem ist der Verkaufsprospekt für nicht Eingeweihte oft recht undurchsichtig, verklausuliert und weit entfernt von benutzerfreundlich.

Ein erster Versuch, diesen Zustand zu verbessern wurde unter der vorherigen OGAW Richtlinie durch die Einführung eines sogenannten vereinfachten Verkaufsprospekts vorgenommen. Dieser wohlgemeinte Ansatz folgte jedoch schnell dem Vorbild seines „großen Bruders“ - oftmals ähnlich lange wie der Verkaufsprospekt selbst. Obwohl einige Informationen obligatorisch enthalten sein mussten, die so nicht im Verkaufsprospekt vorhanden waren, so war die Art und Weise wie die Informationen präsentiert werden sollten offen für verschiedenste Interpretationen.

Für Investmentprodukte, die für den Vertrieb an Privatanleger gedacht sind, ist es offensichtlich im Interesse der Industrie, Details bezüglich der Anlageziele, Kosten, Risiken, etc. so zu erläutern, dass Unklarheiten vermieden werden und unvorteilhaften Investments vorgebeugt wird. Die Ereignisse von 2007 und 2008 haben diesen Anforderungen ein zusätzliches Momentum verliehen und obwohl ein Großteil des Denkprozesses schon vorher abgeschlossen war, so wurde die Bedeutung der Wesentlichen Anlegerinformationen doch zu einer der tragenden Säulen der neuen OGAW Richtlinie.

Die ESMA („European Securities and Markets Authority“ bzw. EU-Wertpapieraufsicht) lässt zumindest keinen Zweifel aufkommen, was die Wichtigkeit dieser Angelegenheit betrifft. Steven Maijoor (Chef der ESMA) hat den Arbeitsprozess, der zur Definition der WA geführt hat, recht ausführlich beschrieben und sieht diesen Ansatz zudem als Referenz für Angaben und Informationen zu anderen Produkten und Bereichen. Investmentfonds sind demnach zwar der erste Bereich, der den neuen Anforderungen gerecht werden muss, aber sie legen in gewissem Sinne auch den Standard fest.

Wie genau sieht dieser Standard aus und wie geht die Industrie nun, da das Datum zur Umsetzung der Richtlinie in nationales Recht verstrichen ist, mit den WA um?

Die WA beschreiben in einem festgelegten Format auf nur zwei Seiten, in welche Kategorie der Fond eingeordnet werden kann, welche Risiken er birgt, die Anlagepolitik des Fonds, die Bestände in die er investieren darf sowie Informationen zum zeitlichen Ablauf von Handel und Abwicklung. All dies muss in „verständlicher Sprache“ präsentiert werden – Sprache also, die auch von der sprichwörtlichen „Großmutter“ verstanden werden kann und zudem in der Sprache des Landes in dem Fondsanteile verkauft werden sollen.

Wenn man bedenkt, dass es allein in Luxemburg 3.500 regulierte Fonds gibt (und die Auflage, WA anzufertigen gilt für alle regulierten Fonds innerhalb der EU), so wird das Ausmaß dieser Aufgabe offensichtlich. Als Marktführer im grenzüberschreitenden Vertrieb, wird die Fondsindustrie in Luxemburg insgesamt ungefähr 300.000 bis 500.000 WA produzieren. Und diese Berechnung geht lediglich von einem solchen Dokument pro Anteilsklasse pro Vertriebssprache pro Jahr aus. Es lässt die Anforderung, ein neues Dokument zu erstellen wann immer bestimmte wesentliche Änderungen vorgenommen werden über die der Anleger informiert werden muss, außen vor. Genau wie den Fall, dass eine neue Anteilsklasse in einem bestimmten Land vertrieben werden soll.

Aus einer von Deloitte Anfang dieses Jahres durchgeführten Umfrage zum Grad der Bereitschaft des Marktes all diesen Herausforderungen gerecht zu werden, wird klar, dass es noch wesentliche Hürden zu beseitigen gibt. Exemplarisch hierfür ist die Anzahl der Interessensvertreter innerhalb betroffener Unternehmen, welche darauf hinweisen, dass die logistischen Schwierigkeiten unterschätzt wurden und wie komplex es sein wird die verschiedenen involvierte Abteilungen auf die Einhaltung der Frist einzustellen. Dies wurde bereits deutlich durch die Verzögerungen von Durchführungsfristen. Bis dato gibt es zwar noch keine negativen Konsequenzen, doch es wird gerade für Promoter, die vorhaben, die maximal mögliche Übergangsfrist auszunutzen, ungleich relevanter die Koordination zu optimieren (die Umfrage zeigt, dass eben solche Promoter die Mehrheit bilden und nur 20 Prozent die Einführung vom ersten Tag an vorhaben).

Zugleich sind da die Kosten des Prozesses. Es gibt guten Grund anzunehmen, dass diese auch unterschätzt wurden. Interne Kosten wurden kaum mit einbezogen, obwohl sie durchaus beträchtlich sein werden. Größeren Fondsstrukturen dürfte eine Rechnung in Höhe von 500.000 bis 1.000.000 Euro und darüber hinaus allein für die Implementierung ins Haus stehen.

Wenn jedoch der quantitative Aspekt eine Herausforderung darstellt, so wird der Qualitative erst recht problematisch. Kommentare zu schon veröffentlichten WA waren nicht immer positiv, gerade in Bezug auf eine „verständliche Sprache“, und in Anbetracht der Tatsache, dass einige Promoter lediglich Passagen aus dem Verkaufsprospekt direkt in die WA herüberkopieren. Deloitte hat eine stetig aktualisierte Liste mit über 70 qualitativen und quantitativen Tests entwickelt, um WA zu überprüfen. Bisher hat keine der geprüften „externen“ WA alle Tests bestanden, nicht einmal die Tests welche das Vorhandensein der gesetzlich vorgeschriebenen Abschnitte überprüfen.

Bisher wurde vor allem der Wahl der besten Umsetzungstechnik viel Aufmerksamkeit gewidmet. Die meisten Promoter wählen eine Hybridlösung, die interne und externe Ressourcen und Lösungen kombiniert. Es ist anzunehmen, dass sich mit der Zeit, genauso wie im Falle der Fondsregistrierung, der Fokus mit den technischen Entwicklungen ändern wird. Ansprüche an Qualität und Quantität wird zunehmend von solchen spezialisierten Dienstleistern entsprochen werden können, die intelligente und innovative Ansätze über das Technische hinaus entwickeln und anbieten können.

Die WA sind sicherlich gekommen um zu bleiben und zeigen einen neuen Weg auf - nicht nur für andere, nicht-regulierte Fondprodukte, sondern auch für andere Finanzmarktinstrumente. Die Fähigkeit des Marktes den neuen Anforderungen zu entsprechen, wird wie immer auf der richtigen Mischung von Fachkompetenz und Leistungsfähigkeit beruhen sowie auf der Entscheidung, wo beides am besten zu finden ist. Es gibt noch viel zu tun.

Contacts

Name:
Lou Kiesch
Company:
Deloitte Luxembourg
Job Title:
Partner - Regulatory Consulting
Phone:
+352 451 452 456
Email
lkiesch@deloitte.lu
Name:
Christopher Stuart-Sinclair
Company:
Deloitte Luxembourg
Job Title:
Directeur - Regulatory Consulting
Phone:
+352 451 452 202
Email
cstuartsinclair@deloitte.lu

Share

 

Stay connected:
Get connected
Share your comments
More on Deloitte Luxembourg
Learn about our site

Recently published