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Auf dem Weg zur Kreislaufwirtschaft: Eine zukunftsweisende Strategie der Landeshauptstadt München

München wird Kreislaufstadt: Mit der neuen Münchner Kreislaufwirtschaftsstrategie (MKWS) macht die Landeshauptstadt einen entscheidenden Schritt in Richtung Circular Economy. Davon profitieren die Stadt und ihre Bürger:innen gleich mehrfach – durch Ansätze wie Rohstoffrecycling, Wiederverwendung und Vermeidung schützt zirkuläres Wirtschaften Umwelt und Klima. Zugleich liefert es aber auch wichtige Wettbewerbsvorteile für München als Standort. Die von der Landeshauptstadt München mit Unterstützung von Deloitte erarbeitete Kreislaufwirtschaftsstrategie MKWS umfasst ein detailliertes Maßnahmenpaket und besitzt in ihrer Ganzheitlichkeit Pioniercharakter. Die Ziele sind ambitioniert: Geplant ist eine Reduktion des Materialverbrauchs um 30 Prozent bis 2035 – das sind beeindruckende 14 Mio. Tonnen pro Jahr weniger als derzeit.

Die Situation

Für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gewinnt die Kreislaufwirtschaft immer stärker an Bedeutung. Dieses Nachhaltigkeitskonzept reduziert den Ressourcen- und Energieverbrauch durch eine Reihe von Ansätzen, die häufig mit den „10 R“ beschrieben werden, also etwa Recycle (Wiederverwerten), Reuse (Wiederverwenden) oder Refuse (Vermeiden). Für Nachhaltigkeit und Klimaschutz ist die Kreislaufwirtschaft unverzichtbar – sie macht München nicht nur noch lebenswerter, sondern ist auch ökonomisch ausgesprochen attraktiv, denn sie schafft neue, zukunftsweisende zirkuläre Geschäftsmodelle und ermöglicht durch die gesteigerte Effizienz Kosteneinsparungen. Außerdem stärkt die Kreislaufwirtschaft mit ihrem Fokus auf lokale Wertschöpfung die ökonomische Resilienz, was in Zeiten von geopolitischen Spannungen, Lieferkettenstörungen und Energiekrisen von erheblichem Wert für Gesellschaft und Wirtschaft ist. 

Auf EU- und Bundesebene wurden bereits zirkuläre Richtlinien und Regulationen auf den Weg gebracht, etwa der Kreislaufwirtschaftsaktionsplan der EU (CEAP) oder die Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie der Bundesregierung (NKWS). Für die Umsetzung vor Ort sind aber auch Strategien auf kommunaler Ebene nötig. Entsprechende lokale Infrastrukturen, Rahmenbedingungen und Unterstützungsangebote schaffen die praktischen Voraussetzungen für zirkuläres Wirtschaften und Verbraucherverhalten. Für München stellt die Kreislaufwirtschaft dabei einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der ehrgeizigen Klimaziele dar, die sich die Stadt 2021 mit ihrer Klimasatzung gegeben hat: Bis zum Jahr 2030 sollen Stadtverwaltung und kommunale Unternehmen, bis 2035 sogar das gesamte Stadtgebiet klimaneutral werden; gegenüber dem EU-Ziel (2050) und dem nationalen Ziel (2045) ist das deutlich ambitionierter. 

Vor diesem Hintergrund beauftragte der Münchner Stadtrat 2022 das Referat für Klima- und Umweltschutz (RKU), eine Circular Economy Koordinierungsstelle (CEKS) einzurichten, um eine Kreislaufwirtschaftsstrategie zu entwickeln. Eine äußerst anspruchsvolle Aufgabe, zumal in einer Großstadt mit überdurchschnittlich großem Dienstleistungssektor: Das Thema betrifft die gesamte Stadtverwaltung und zieht sich darüber hinaus quer durch die Münchner Wirtschaftslandschaft – von Handwerk und Lebensmittelerzeugung über Start-ups und Forschung bis hin zu Baubranche und Industriebranche.

„Für eine Kreislaufstadt müssen wir Materialflüsse verstehen und konsequent neugestalten. Genau hier setzt die MKWS an: Sie verbindet Ambition mit umsetzbaren Maßnahmen und denkt gleichzeitig die Wirtschaftlichkeit mit.“

Daniel Stommel
Senior Manager
Sustainable Value Chain, Deloitte

„Mit der MKWS gibt München der Kreislaufwirtschaft eine klare Richtung: nicht nur Ressourcen effizienter nutzen, sondern mutiger neu denken, gemeinsam umsetzen und unsere Stadt Schritt für Schritt zukunftsfähiger machen.“

 

Vanessa Tschapke

Leiterin MKWS

Die Lösung

Eine effektive Kreislaufstrategie für München muss auf den konkreten lokalen Gegebenheiten basieren und auf dieser Grundlage einen Maßnahmenkatalog beinhalten, der dann systematisch und kontrolliert umgesetzt wird. Entsprechend ging die Landeshauptstadt München mit den Strategie-Expert:innen von Deloitte aus dem Bereich Supply Chain & Network Operations beim Entwicklungsprozess in vier Schritten vor: Status-quo-Erhebung, Maßnahmenentwicklung, Maßnahmenbewertung, Monitoring der strategischen Ziele. 

Im Rahmen der Status-quo-Erhebung wurden die politischen Rahmenbedingungen und wichtige Stakeholder analysiert, bestehende Maßnahmen und Lücken identifiziert sowie zentrale Handlungsfelder abgeleitet. Außerdem wurden sämtliche Materialströme durch eine Materialflussanalyse (MFA) erfasst, um den anteiligen Materialverbrauch der verschiedenen Wirtschaftsbereiche und die jeweiligen Optimierungsmöglichkeiten zu identifizieren. Dabei wurde nach der etablierten Input-Output-Methodologie der NGO Circle Economy verfahren, einem Kooperationspartner von Deloitte. 

Demgemäß weist die Landeshauptstadt jährlich einen Materialeinsatz von fast 105 Mio. Tonnen auf (Importbezug aus dem In- und Ausland sowie Sekundärmaterialien: Biomasse, fossile Brennstoffe, metallische Erze, nichtmetallische Mineralien). Nach Abzug des Materialexports (beispielsweise durch Industrieprodukte wie Automobile) ergibt sich ein Rohstoffverbrauch von rund 47 Mio. Tonnen. Dieser entsteht hauptsächlich in den Bereichen Bau und Infrastruktur (28,0 Mio. Tonnen), Bioökonomie (u.a. Lebensmittel; 4,5 Mio. Tonnen) sowie Produkte und Handel (7,4 Mio. Tonnen). 

Für diese drei Fokusbereiche und den übergreifenden Bereich „nachhaltige Beschaffung in der Stadtverwaltung“ – die Landeshauptstadt ist als Einkäuferin eine der größten Konsumentinnen von Wirtschaftsleistung in München und hat damit auch die Verantwortung und Möglichkeit, hier über die Nachfrage das Angebot zu lenken – wurden im zweiten Schritt in fünf Workshops mit über 100 Expert:innen aus 25 Stakeholdergruppen (Stadt, Verbände, NGOs, Hochschulen und Vereinigungen mit Fokus auf Kreislaufwirtschaft) insgesamt 85 Einzelmaßnahmen für die Zielgruppen Wirtschaft, Gesellschaft und Verwaltung entwickelt. Zudem führte Deloitte eine Best Practice Analyse durch, um die Maßnahmenideen anzureichern. 

Die Maßnahmen wurden wiederum thematisch zu elf Hebeln gebündelt (beispielsweise: Maximierung von sekundärem und zirkulärem Materialeinsatz im Bauwesen mit fünf Einzelmaßnahmen), um diese und deren Abhängigkeiten im nächsten Schritt bewerten zu können. Die größte Herausforderung dabei lag in den heterogenen Interessen der Stakeholder. Dies wurde durch Einbindung der relevanten Referate und regelmäßige Abstimmungen mit weiteren Stakeholdern und Interessengruppen erreicht - ein entscheidender Erfolgsfaktor für das Gelingen des Projekts. 

Drittens folgte die Potenzial- und Einflussbewertung der Umsetzungsmaßnahmen durch eine Szenario-Modellierung – denn nur wenn bewertet werden kann, welchen Impact eine Maßnahme auf das übergreifende Ziel hat, ist sie schlagkräftig. Dies half auch zu identifizieren, welche Maßnahmenpakete eine hohe Priorität hinsichtlich eines zeitlichen Umsetzungsplans haben. 

Im vierten Schritt wurden schließlich in Anlehnung an den EU-Plan (CEAP) und die nationale Strategie (NKWS) Indikatoren zur Nachverfolgung und Steuerung definiert sowie konkrete Strategieziele für 2035 festgelegt, die den Anspruch der Stadt München widerspiegeln, eine Vorreiterrolle in diesem Bereich einzunehmen: Reduktion des Materialverbrauchs um 30 Prozent (50% bis 2045), Steigerung der Gesamtrohstoffproduktivität um 25 Prozent, Entwicklung eines zirkulären Ökosystem-Netzwerks in München mit 2.000 beteiligten Organisationen und Unternehmen, Verdopplung der zirkulären Materialverwendungsrate sowie Reduktion der Gesamtabfallerzeugung um 15 Prozent. Außerdem unterstützte Deloitte u.a. bei der Interaktion und dem Austausch mit anderen zirkulären EU-Kommunalprojekten im URBACT-Projekt. 

Der Impact

Eine zukunftsweisende kommunale Kreislaufwirtschaftsstrategie – evidenzbasiert, ambitioniert und direkt umsetzungsbereit: Das ist das Ergebnis der zweijährigen Zusammenarbeit der Landeshauptstadt München und Deloitte. Im Dezember 2025 hat der Münchner Stadtrat die Strategie verabschiedet, und den Auftrag zur Umsetzung klar formuliert. Die MKWS setzt neue Maßstäbe, wie München wirtschaftet und sich als Vorreiter positioniert. Sie legt den Grundstein und den Fahrplan für diese große gemeinschaftliche Aufgabe. Gemeinsam mit Stakeholdern der Stadt, Deloitte, Wissenschaft und Wirtschaft wurden im Januar 2026 zu allen oben beschriebenen Bereichen in ganztätigen Workshops die Maßnahmen für die Umsetzung der Strategie diskutiert und feingeplant. 

Von den zahlreichen Einzelmaßnahmen können hier nur einige Beispiele genannt werden. Im Fokusbereich Bauwesen gehört dazu etwa die Entwicklung einer Bauteilbörse, einer Art Baumarkt für Bauteile. Außerdem werden bei städtischen Bauprojekten Kreislaufansätze gestärkt. Im Bereich Produkte und Handel werden zirkuläre Geschäftsmodelle und industrielle Symbiosen gefördert, bessere Verwertungsmöglichkeiten für Textilien geschaffen und öffentliche Kantinen vollständig auf Mehrweg umgestellt. Auch werden ein Reparaturnetzwerk für Elektrogeräte und entsprechende Sammlungsaktionen initiiert.

Im Bereich Bioökonomie ist die Nachrüstung öffentlicher Einrichtungen mit Zisternen geplant, daneben wird die „Lebensmittelrettung“ unterstützt. Im übergreifenden Bereich der städtischen Beschaffung werden Anreize und Vereinfachungen im Vergabeprozess geschaffen, ein Tool zur nachhaltigen Budgetkalkulation eingeführt sowie ein digitales Kompetenzzentrum für nachhaltige Beschaffung aufgebaut. 

Die zahlreichen Einzelmaßnahmen decken somit unterschiedlichste Wirtschafts- und Gesellschaftsbereiche ab. Zusammen fügen sie sich zu dem so visionären wie realistischen Zielbild, das sich München mit der MKWS gesetzt hat – als wirtschaftsstarke Kreislaufstadt mit hoher Lebensqualität, die neue Maßstäbe auf dem Feld der kommunalen Nachhaltigkeit setzt und damit für viele andere Kommunen Vorbildcharakter hat. 

„Eine städtische Kreislaufwirtschaft ist kein Nice-to-have, sondern die Grundlage für die ökologische und wirtschaftliche Resilienz Münchens. Wer Ressourcen im Kreislauf denkt, stärkt gleichzeitig Wohlstand, Klimaschutz und Versorgung.“

Tomas Henninger
Partner
Sustainable Value Chain, Deloitte

Ausgezeichnete Leistung

Deloitte wurde mit dem Best of Consulting Award 2025 von der
WirtschaftsWoche mit dem Sonderpreis „Branchensieger Public Sector“ auf Platz 1
ausgezeichnet.

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