Kreislaufwirtschaft verspricht Resilienz und Geschäftschancen – allerdings erfordert dies das Zusammenspiel gesamter Wertschöpfungsketten. Die konkreten Handlungsspielräume einzelner Unternehmen sind oft begrenzt. EnBW hat mit Unterstützung von Deloitte einen Ansatz entwickelt und im Segment Photovoltaik erprobt, wie Unternehmen realistische und wirtschaftlich attraktive Kreislaufmaßnahmen identifizieren und umsetzen können.
Das Thema Kreislaufwirtschaft hat sich von einer primär ökologisch motivierten Diskussion zu einem wirtschafts- und industriepolitischen Handlungsfeld entwickelt. Circular Economy wird zunehmend als Europas neues Erfolgsmodell gehandelt. Sie verspricht neue Formen der Wertschöpfung sowie eine höhere Resilienz durch die Verringerung der Abhängigkeiten von Primärrohstoffen und den damit verbundenen geopolitischen Risiken. Allerdings bleiben diese Versprechen oft vage Annahmen auf einer abstrakten, volkswirtschaftlichen Ebene und werden zu selten in konkrete Maßnahmen vor dem Hintergrund bestehender Geschäftsmodelle übersetzt. Es stellt sich also die Frage: Wie sieht ein konkreter Business Case für Kreislaufwirtschaft aus?
Gerade in der Energiebranche sind Resilienz und die Bezahlbarkeit von Energie relevant wie selten zuvor. Die Branche steht vor der Herausforderung, die Transformation des Energiesystems zu stemmen, ohne von der einen Rohstoffabhängigkeit (etwa fossilen Energieträgern) in eine neue Abhängigkeit (beispielsweise von Seltenen Erden für Batterien oder Solarkomponenten) zu geraten. Kreislaufwirtschaft verspricht hier nicht nur ökologische Vorteile, sondern auch signifikante wirtschaftliche Effekte:
Wie und in welchem Zeithorizont diese Effekte jedoch tatsächlich realisiert werden können, war bislang fraglich.
An dieser Stelle setzt die gemeinsame Fallstudie von Deloitte und EnBW an. Ziel der Studie ist es, die oft abstrakte Diskussion um Kreislaufwirtschaft auf eine konkrete, unternehmensnahe Ebene zu übertragen und systematisch zu untersuchen, welche Kreislaufmaßnahmen innerhalb des Handlungsspielraums eines einzelnen Energieunternehmens realistisch umsetzbar und wirtschaftlich attraktiv sind. Im Fokus steht dabei die Photovoltaik Energieerzeugung bei EnBW als Pilotbereich. Der Ansatz wurde so entwickelt, dass dieser später auch auf weitere Bereiche des Konzerns und auf Unternehmen in anderen Branchen übertragbar und somit skalierbar ist.
Die Ergebnisse der Studie zeichnen ein differenziertes und praxisnahes Bild. Einerseits zeigt sich, dass die Handlungsspielräume eines einzelnen Energieunternehmens begrenzt sind: Einige Kreislaufstrategien sind branchenbedingt nicht umsetzbar, andere liegen außerhalb des direkten Einflussbereichs entlang der Wertschöpfungskette. Andererseits identifiziert das Projekt mehrere Maßnahmen, die bereits kurzfristig umgesetzt werden können und mindestens kostenneutral sind. Darüber hinaus bieten Kreislaufmaßnahmen in der PV-Branche gerade zukünftig große Potenziale, etwa durch resilientere Rohstoffkreisläufe, höhere Kosteneffizienz oder bewussten Umgang mit Materialien in großen Rückbau- und Repowering-Phasen. Die frühzeitige Umsetzung der heute möglichen Maßnahmen schafft dabei die Grundlage, um diese Potenziale auszuschöpfen.
Zu den zentralen Erkenntnissen zählen unter anderem:
Methodisch basiert die Fallstudie auf einem dreistufigen Vorgehen:
Grundlage bilden interne Expert:innen-Interviews, reale Betriebsdaten von exemplarischen EnBW PV-Parks sowie Erkenntnisse aus bestehenden Rückbau und Pilotprojekten. Das entwickelte Vorgehensmodell ist bewusst so gestaltet, dass es auch auf andere Geschäftsbereiche und Branchen übertragbar ist.
Die Fallstudie richtet sich an Entscheider:innen und Expert:innen im Energiesektor, an Stakeholder in der industriellen Produktion sowie allgemein an Verantwortliche für Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft. Sie zeigt, wie Unternehmen die oft abstrakten Versprechen der Kreislaufwirtschaft in konkrete, wirtschaftlich bewertbare Maßnahmen übersetzen können – und wo realistische Grenzen liegen.
Laden Sie hier die vollständige Fallstudie herunter, um zu erfahren, wie Kreislaufwirtschaft vom volkswirtschaftlichen Leitbild zu einem belastbaren Business Case auf Unternehmensebene werden kann.
„Unsere gemeinsame Fallstudie zeigt: Trotz begrenzter Handlungsspielräume kann Kreislaufwirtschaft für Unternehmen ein realer Business Case sein. Um diesen Business Case zu identifizieren, empfiehlt sich eine Fokussierung des Themas als Erfolgsfaktor für Wirtschaftlichkeit und Resilienz auf operativer Ebene.“
Dr. Matthias Schmidt, Partner Sustainability Assurance