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Financial Industry Briefing: Wero - Zahlungsverkehr

Wero – Europas Weg zur digitalen Souveränität im Zahlungsverkehr

Digitale Zahlungen sind aus dem Alltag der Verbraucher:innen nicht mehr wegzudenken, dennoch wird der europäische Zahlungsverkehr weiterhin von internationalen Anbietern geprägt. Mit Wero verfolgt die European Payments Initiative (EPI) das Ziel, eine unabhängige Alternative zu etablieren und die digitale Souveränität im Zahlungsverkehr zu stärken. Eine repräsentative Befragung von Deloitte zeigt, dass das Interesse der Verbraucher:innen an einer europäischen Bezahllösung grundsätzlich vorhanden ist.

Gleichzeitig wird deutlich, dass sich Wero trotz einer deutlich gestiegenen Bekanntheit noch nicht im Massenmarkt etabliert hat: Fehlende Bekanntheit, eine begrenzte Händlerakzeptanz und ein vielfach nicht erkannter Mehrwert gegenüber bestehenden Zahlungsdiensten zählen weiterhin zu den größten Nutzungshürden. Welche Faktoren die Akzeptanz von Wero beeinflussen und welche Handlungsfelder sich daraus für Banken, Händler und Zahlungsdienstleister ergeben, zeigen wir im aktuellen Industry Briefing.

Wero im Überblick

Als digitale Bezahllösung ermöglicht Wero Zahlungen in Echtzeit direkt zwischen Bankkonten. Voraussetzung für die Nutzung ist ein Konto bei einer teilnehmenden Bank; je nach Institut erfolgt der Zugang über die Banking-App oder die Wero-App. Heute kann Wero für Zahlungen zwischen Privatpersonen sowie zunehmend im Online-Handel genutzt werden; perspektivisch soll die Lösung auch im stationären Handel verfügbar sein. Der Funktionsumfang wird kontinuierlich erweitert. Im Onlinehandel stehen bereits Funktionen wie QR-Code-Zahlungen sowie Rückerstattungen und Käuferschutz „Made in Europe1“ zur Verfügung.2

Auch das Wero-Ökosystem entwickelt sich dynamisch weiter. Die Bezahllösung ist bereits in Belgien, Deutschland, Frankreich, Luxemburg und den Niederlanden verfügbar und wird von einer wachsenden Zahl von Banken sowie Händlern unterstützt. Hinter der Initiative stehen derzeit 52 Hauptmitglieder; zudem liegen über 70 weitere Mitgliedsanträge vor (Stand: Februar2026). Über die teilnehmenden Institute können inzwischen rund 53 Millionen Verbraucher:innen, davon etwa 8 Millionen in Deutschland, Wero nutzen. Seit dem Marktstart wurden Transaktionen im Wert von mehr als 16 Milliarden Euro abgewickelt.3

Bekanntheit steigt deutlich

Die Ergebnisse des Deloitte Consumer Spotlight Survey vom April 2026, für die 1.000 Personen repräsentativ befragt wurden, zeigen, dass Wero zunehmend im Bewusstsein der Verbraucher:innen ankommt. Während im Deloitte Consumer Spotlight Survey vom August 2024 noch 73 Prozent der Befragten angaben, Wero nicht zu kennen, liegt dieser Wert inzwischen bei 39 Prozent. Gleichzeitig stieg der Anteil derjenigen, die Wero konkret einordnen können, von 16 auf 29 Prozent. Bereits 11 Prozent der Befragten haben den Dienst ausprobiert, 3 Prozent nutzen ihn regelmäßig.

Die steigende Bekanntheit ist insbesondere auf die Integration in Banking-Apps, die zunehmende Präsenz im Handel sowie gezielte Kommunikationsmaßnahmen zurückzuführen. Damit gelingt es Wero mehr und mehr, sich als europäische Alternative zu etablierten internationalen Zahlungsanbietern zu positionieren (s. Abb. 1).

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Abb. 1 – Frage: Haben Sie schon einmal von dem europäischen Zahlungsdienst Wero gehört?

Hinweis: Aufgrund der Rundung der Ergebnisse kann die Gesamtsumme von 100 Prozent abweichen. Quellen: Deloitte Consumer Spotlight Surveys August 2024, Oktober 2024, Oktober 2025 und April 2026
Öffentlicher Sektor als strategischer Wachstumshebel

Während Wero ursprünglich für P2P-Zahlungen entwickelt wurde und aktuell den Ausbau im E-Commerce vorantreibt, eröffnet sich zunehmend ein weiteres strategisch relevantes Einsatzfeld: der öffentliche Sektor. Erste Kommunen wie St. Ingbert4 und die Landeshauptstadt München5 haben Wero bereits für ausgewählte Verwaltungsdienstleistungen eingeführt. Bürgerinnen und Bürger können beispielsweise Verwaltungs-oder Standesamtsgebühren direkt über ihre Banking-App bezahlen, ohne zusätzliche Registrierungen oder Kartendaten angeben zu müssen.

Die Bedeutung dieser Entwicklung geht jedoch weit über den reinen Komfortgewinn hinaus. Öffentliche Einrichtungen verfügen über hohe und wiederkehrende Zahlungsvolumina sowie ein hohes Vertrauensniveau bei den Bürger:innen. Dadurch können Kommunen und Behörden als Multiplikatoren wirken und die Nutzung von Wero außerhalb klassischer Retail- und P2P-Szenarien beschleunigen. Gleichzeitig unterstützt der Einsatz im öffentlichen Sektor zentrale politische Ziele wie digitale Souveränität, Datenschutz und die Verringerung der Abhängigkeit von außereuropäischen Zahlungsinfrastrukturen. Für Wero könnte der öffentliche Sektor daher zu einem wichtigen Katalysator für Reichweite und Akzeptanz werden.

Bekanntheit bleibt die größte Herausforderung

Trotz der positiven Entwicklung bestehen weiterhin Hürden für eine breite Nutzung. Mit Abstand häufigster Grund für die Nichtnutzung ist die mangelnde Bekanntheit: 61 Prozent der Befragten geben an, Wero nicht oder nicht ausreichend zu kennen. Weitere Gründe sind ein fehlender wahrgenommener Mehrwert gegenüber bestehenden Zahlungsdiensten (15%), eine fehlende Unterstützung durch die eigene Bank (13%) sowie eine bislang noch begrenzte Händlerakzeptanz (9%). Sicherheits- und Datenschutzbedenken spielen dagegen mit 8 Prozent eine vergleichsweise untergeordnete Rolle.

Die Ergebnisse verdeutlichen, dass der Markterfolg von Wero weniger von technologischen Faktoren als vielmehr von Reichweite, Sichtbarkeit und dem Ausbau des Akzeptanznetzwerks abhängt (s. Abb. 2).

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Abb. 2 – Frage: Aus welchen Gründen haben Sie Wero bislang noch nicht genutzt? (Mehrfachnennungen möglich)

Quelle: Deloitte Consumer Spotlight Survey April 2026
Direkte Bankanbindung und europäische Herkunft überzeugen

Zu den größten Stärken von Wero zählen aus Sicht der Verbraucher:innen die direkte Anbindung an das eigene Bankkonto, die einfache Abwicklung von Zahlungen zwischen Privatpersonen sowie das Vertrauen in Sicherheit und Datenschutz. Besonders bemerkenswert ist, dass rund ein Drittel der Teilnehmenden die europäische Herkunft und den Beitrag zur digitalen Unabhängigkeit Europas als wesentlichen Vorteil wahrnimmt (s. Abb. 3).

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Abb. 3 – Frage: Was gefällt Ihnen an dem Zahlungsdienst Wero? (Mehrfachnennungen möglich)

Quelle: Deloitte Consumer Spotlight Survey April 2026

Gleichzeitig zeigt die Befragung Potenzial für eine Weiterentwicklung des Angebots. Verbraucher:innen wünschen sich insbesondere Funktionen zur Organisation gemeinsamer Zahlungen, zur Verwaltung gemeinsamer Ausgaben sowie zur einfachen Anforderung von Geldbeträgen. Solche Mehrwertfunktionen könnten die Differenzierung gegenüber etablierten Wettbewerbern zusätzlich stärken (s. Abb. 4).

Wero ist der europäische Weg im Zahlungsverkehr: eine souveräne, sichere Zahlungslösung auf Basis europäischer Standards – für schnelle Zahlungen im Alltag, im Handel und online.

Christiane Neumüller, Director

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Abb. 4 – Frage: Welche Zusatzfunktionen würden Sie sich von Wero/einem Zahlungsdienst wünschen? (Mehrfachnennungen möglich)

Quelle: Deloitte Consumer Spotlight Survey April 2026
Zwischen Anspruch und Realität: die Debatte um digitale Souveränität

Trotz des Anspruchs, eine souveräne europäische Alternative zu internationalen Zahlungsanbietern zu schaffen, steht Wero vor mehreren Herausforderungen. Besonders kontrovers diskutiert wird die teilweise Nutzung von Amazon Web Services (AWS).6 Kritiker sehen darin einen Widerspruch zum Ziel der digitalen Souveränität, da trotz der Speicherung aller Daten in europäischen Rechenzentren und der Kontrolle über Verschlüsselung und Architektur rechtliche Risiken durch den Einsatz eines US-Cloud-Anbieters bestehen bleiben. Die Debatte spiegelt sich auch in der Konsumentenbefragung wieder: 8 Prozent der Befragten äußern Sicherheits- und Datenschutzbedenken. Die EPI betont hingegen, dass der Einsatz internationaler Cloud-Infrastrukturen während der Markteinführung notwendig gewesen sei, um Stabilität und Skalierbarkeit sicherzustellen. Langfristig ist ein schrittweiser Übergang auf europäische Cloud-Lösungen vorgesehen.7

Neben der technischen Infrastruktur bleibt der Marktausbau die zentrale Herausforderung. Neun Prozent der Befragten nennen die bislang begrenzte Händlerakzeptanz als Grund für die Nichtnutzung von Wero, während 15 Prozent keinen ausreichenden Mehrwert gegenüber bestehenden Zahlungsdiensten erkennen. Dies unterstreicht, dass neben dem Ausbau des Akzeptanznetzwerks insbesondere eine klare Kommunikation des Kundennutzens sowie zusätzliche Mehrwertfunktionen entscheidend sein werden, um die Marktdurchdringung nachhaltig zu erhöhen.

Handlungsfelder für die Finanzindustrie

Die Studienergebnisse zeigen, dass das Interesse an einer europäischen Bezahllösung grundsätzlich vorhanden ist. Gleichzeitig verdeutlichen sie, dass sich ein neues Zahlungssystem nur dann nachhaltig etablieren kann, wenn es Sicherheit, Benutzerfreundlichkeit und einen klaren Mehrwert miteinander verbindet. Für Banken, Zahlungsdienstleister und Händler ergibt sich daraus die Chance, ihre Position im digitalen Zahlungsverkehr zu stärken – vorausgesetzt, die Lösung wird konsequent an den Bedürfnissen von Kund:innen und Händlern ausgerichtet und kontinuierlich weiterentwickelt.

Aus den Ergebnissen lassen sich drei zentrale Handlungsfelder ableiten:

1. Reichweite und Akzeptanz ausbauen

Der Erfolg einer Bezahllösung hängt maßgeblich von ihrer Verfügbarkeit im Alltag ab. Neben der flächendeckenden Unterstützung durch Banken ist insbesondere der Ausbau der Händlerakzeptanz im Online und stationären Handel entscheidend. Gleichzeitig sollte Wero nahtlos in bestehende Zahlungsökosysteme und öffentliche Dienstleistungen integriert werden, um die Nutzungshäufigkeit zu erhöhen und Skaleneffekte zu schaffen.

2. Kundennutzen und Vertrauen stärken

Die Studie zeigt, dass viele Verbraucher:innenden Mehrwert von Wero bislang nicht ausreichend erkennen. Kommunikationsmaßnahmen sollten daher gezielt die Vorteile der europäischen Lösung – insbesondere Sicherheit, Datenschutz, Käuferschutz, digitale Souveränität sowie die direkte Anbindung an das Bankkonto – hervorheben. Gleichzeitig müssen Zuverlässigkeit, einfache Bedienbarkeit und ein reibungsloser Zahlungsprozess jederzeit gewährleistet sein, da positive Nutzererfahrungen eine wesentliche Voraussetzung für Vertrauen und langfristige Kundenbindung sind.

3. Das Angebot konsequent weiterentwickeln

Neben einer stabilen Zahlungsinfrastruktur werden zusätzliche Mehrwertdienste zunehmend zum Differenzierungsfaktor. Funktionen wie gemeinsame Ausgabenverwaltung, wiederkehrende Zahlungen oder die Integration von Loyalty-Programmen können die Attraktivität von Wero weiter erhöhen. Ebenso wichtig ist die kontinuierliche Einbindung von Kundenfeedback, um neue Anforderungen frühzeitig zu erkennen und das Angebot entsprechend weiterzuentwickeln.

Neben diesen strategischen Handlungsfeldern wird auch das regulatorische Umfeld den europäischen Zahlungsverkehr weiterprägen. Mit PSD3 und der Payment ServicesRegulation (PSR) sollen Wettbewerb und Open Banking gestärkt sowie der Verbraucherschutz weiter verbessert werden. Für Wero bietet dies zusätzliche Chancen, sich als leistungsfähige europäische Alternative im digitalen Zahlungsverkehr zu etablieren.

Fazit

Wero hat sich innerhalb kurzer Zeit von einer neuen europäischen Initiative zu einem zunehmend sichtbaren Akteur im digitalen Zahlungsverkehr entwickelt. Die steigende Bekanntheit, das wachsende Händlernetzwerk und die hohe Relevanz der Themen Sicherheit, Datenschutz und digitale Souveränität schaffen eine solide Ausgangsbasis. Der öffentliche Sektor könnte dabei eine wichtige Rolle als zusätzlicher Wachstumstreiber einnehmen und die Verbreitung über klassische Retail-Anwendungsfällehinaus beschleunigen.

Für den langfristigen Erfolg wird entscheidend sein, den wahrgenommenen Mehrwert für Verbraucher:innen weiter zu erhöhen, die Akzeptanz im Handel auszubauen und das Vertrauen in die europäische Zahlungsinfrastruktur nachhaltig zu stärken. Gelingt dies, hat Wero das Potenzial, sich als führende europäische Bezahllösung zu etablieren und Europas Position im digitalen Zahlungsverkehr nachhaltig zu stärken.

Quellen

1 https://www.vr-payment.de/produkte/zahlungsmethoden/wero-im-e-commerce. Zuletzt abgerufen am 22.07.2026

2 Für Informationen zur European Payment Initiative siehe https://epicompany.eu/. Zuletzt abgerufen am 26.06.2026.

3 EPI Company SE. 2026. WERO – Changing the Way Europe Pays. Unternehmenspräsentation. Datenbasis:Wero P2P/P2Pro Key Metrics as of End of Feb 2026.

4 Für Informationen zur Stadt St. Ingbert siehe https://www.st-ingbert.de/info-service/aktuelles/news-nachrichten/kat_rathaus/online-verwaltungsdienstleistungen-bezahlen-per-banking-app-st-ingbert-macht-es-mit-wero-moeglich/. Zuletzt abgerufen am 17.06.2026.

5 https://ru.muenchen.de/2026/109/Bezahlmoeglichkeit-WERO-fuer-staedtische-Services-freigeschaltet-124640. Zuletzt abgerufen am 17.06.2026.

6 https://netzpolitik.org/2026/uneingeloestes-versprechen-auf-digitale-souveraenitaet-europaeischer-bezahldienst-wero-nutzt-amazon-server/?utm_source=chatgpt.com. Zuletzt abgerufen am 28.05.2026.

7 https://ohn.haendlerbund.de/themen/payment-finance/unabhaengig-wero-epi-wechsel-europaeischen-anbietern?utm_source=chatgpt.com. Zuletzt abgerufen am 28.05.2026.

 

 

Autoren:

Dr. Birgit Schröder, Christopher Graf, Firas Mkdad