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Automotive Industry Briefing: Freihandel, Wachstum und Elektrifizierung schaffen neue Perspektiven in Indien

Das EU-Indien-Freihandelsabkommen schafft neue Handelspotenziale mit Indien, dem weltweit drittgrößten Pkw-Markt. Nach Deloitte-Berechnungen könnte die Handelsliberalisierung den Wert der deutschen Automobilexporte nach Indien mittelfristig von 0,6 auf 1,2 Milliarden Euro verdoppeln. Für deutsche OEMs bietet sich damit die Chance, ihre führende Position im Premiumsegment auszubauen. Zulieferer können ihre etablierten Handels- und Lieferbeziehungen vertiefen. Entscheidend für beide wird sein, ihr Angebot auf die zunehmende Nachfrage nach Elektrofahrzeugen auszurichten.

Öffnung des indischen Automobilmarkts mit Einschränkungen 

Die bislang hohen Importzölle stellten eine erhebliche Hürde für deutsche Automobilexporte nach Indien dar. Entsprechend entfielen im Jahr 2025 lediglich 0,2 Prozent der deutschen Pkw-Ausfuhren und 0,8 Prozent von Automobilteilen und -komponenten auf den indischen Markt.1, 2 Mit dem am 27. Januar 2026 geschlossenen Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien (EU-Indien-FTA) werden die Voraussetzungen für den Handel deutlich verbessert. Zugleich unterstützt das Abkommen die strategischen Bestrebungen der EU, ihre Handelsbeziehungen breiter aufzustellen und zusätzliche Absatzmärkte zu erschließen. Es reiht sich damit in weitere Initiativen wie das MERCOSUR-Abkommen ein.

Obwohl die endgültigen Vertragsbestimmungen zum Zeitpunkt der Studie im September 2026 noch nicht vollständig feststanden, hat die Europäische Kommission bereits zentrale Eckpunkte veröffentlicht.3  Demnach sollen die Einfuhrzölle auf in der EU produzierte Fahrzeuge für ein Kontingent von bis zu 250.000 Fahrzeugen von derzeit 110 auf zehn Prozent gesenkt werden. Für einen Großteil der Fahrzeugteile und -komponenten soll der derzeitige Drittlandszollsatz von 15 Prozent4  innerhalb von fünf bis zehn Jahren schrittweise vollständig abgebaut werden, etwaige weitere Abgaben bei der Einfuhr bleiben mitunter bestehen.

Wachstum und Elektrifizierung prägen Indiens Pkw-Markt

Das Freihandelsabkommen mit Indien erleichtert europäischen Unternehmen den Zugang zum weltweit drittgrößten Pkw-Markt nach China und den USA. Doch während die Nachfrage in China und den USA bis 2030 leicht sinken dürfte, steht Indien vor einem kräftigen Wachstumsschub: Der Pkw-Absatz wird absehbar von 4,5 Millionen Fahrzeugen im Jahr 2025 auf rund 5,7 Millionen im Jahr 2030 steigen. Dies entspricht einem Plus von 1,2 Millionen Fahrzeugen, getragen von Bevölkerungswachstum und steigender Kaufkraft (s. Abb. 1). 

Zugleich gewinnt die Elektromobilität deutlich an Absatzpotenzialen. Während der Anteil rein elektrischer Pkw im ersten Halbjahr 2026 lediglich fünf Prozent des Marktes ausmachte, könnte bis 2030 bereits rund jeder fünfte Neuwagen vollelektrisch sein.

Importe spielen für deutsche Hersteller vor allem im Premiumsegment eine Rolle

Mit rund 150.000 verkauften Pkw erreichten deutsche Hersteller im Vorjahr zwar nur einen Marktanteil von 3,4 Prozent. Im Premiumsegment nehmen sie mit 79 Prozent Marktanteil jedoch eine klare Spitzenposition ein. Trotz hoher Einfuhrzölle spielen Importe hier eine Rolle: Rund jeder zehnte Premium-Pkw wird importiert, bei Volumenmodellen hingegen nur jeder hundertste (s. Abb. 2). Über alle Segmente hinweg beträgt der Importanteil deutscher Pkw damit lediglich vier Prozent. Dies unterstreicht den Fokus deutscher Hersteller auf lokale Produktion.

 

Für deutsche Hersteller eröffnet sich doppeltes Wachstumspotenzial: Sie können sowohl vom expandierenden Gesamtmarkt als auch gezielt von der steigenden Nachfrage nach Premiumfahrzeugen profitieren. Denn die Zahl der Haushalte mit einem Einkommen von über 75.000 USD dürfte sich von 1,1 Millionen im Jahr 2024 auf 2,4 Millionen im Jahr 2030 mehr als verdoppeln.6

Komponenten „Made in Germany“ ergänzen lokale Fahrzeugproduktion

Auch wenn die meisten deutschen Pkw in Indien gefertigt werden, findet ein wesentlicher Teil der Wertschöpfung in Deutschland statt. So kommt etwa ein Drittel der in diesen Pkw verbauten Getriebe aus deutscher Produktion. Bei Motoren liegt der Anteil bei acht Prozent. Hinzu kommen Lieferungen aus weiteren EU-Staaten, die ebenfalls vom geplanten Zollabbau profitieren werden (s. Abb. 3). Motoren und Getriebe werden sowohl von deutschen Zulieferern als auch von den OEMs selbst produziert.

Die Verflechtungen von deutschen Zulieferern reichen außerdem über deutsche Fahrzeughersteller hinaus. So beliefern erstere über umfangreiche Lieferverträge zahlreiche OEMs in Indien mit Teilen und Komponenten aus deutscher Produktion. Diese kommen in rund 40 Fahrzeugmodellen zum Einsatz, die im Jahr 2026 auf dem indischen Markt eingeführt wurden.7

Exportpotenzial: Indien-Freihandel stärkt Wettbewerbsfähigkeit deutscher OEMs und Zulieferer

Nach Berechnungen auf Basis des globalen Handelsmodells von Deloitte dürfte das EU-Indien-FTA die deutschen Automobilexporte deutlich steigern. Durch die mit dem Abkommen verbundene Handelsliberalisierung wird sich ihr Wert von aktuell 0,6 Milliarden Euro auf 1,2 Milliarden Euro mittelfristig verdoppeln (s. Abb. 4). 

Die modellierten Handelseffekte basieren dabei auf folgenden Zollreduktionen:

  • Senkung der Einfuhrzölle für Pkw auf zehn Prozent
  • Vollständige Abschaffung der Zölle auf Automobilteile und -komponenten

Darüber hinaus berücksichtigt die Simulation eine Verringerung nicht-tarifärer Handelshemmnisse, etwa durch die Harmonisierung technischer Standards und den Abbau regulatorischer Anforderungen.8 Die Anpassung an neue Handelsbedingungen dauert in der Regel drei bis vier Jahre, da sich die Märkte schrittweise und langsam anpassen, bis sich ein neues wirtschaftliches Gleichgewicht eingestellt hat.

Automobilteile und -komponenten leisten den größten Beitrag zum Exportwachstum. Ihr Exportwert könnte von derzeit 506 Millionen um 518 Millionen auf gut eine Milliarde Euro steigen. Dies unterstreicht die bereits enge Einbindung deutscher Zulieferunternehmen in die lokale Wertschöpfung und stärkt Deutschlands Rolle als Zulieferer innerhalb lokaler Produktionsnetzwerke. Dadurch verbessert sich auch der Zugang zu erschwinglicheren Aftermarket-Komponenten, was die Gesamtbetriebskosten für lokal produzierte, deutsche Fahrzeuge senkt und somit attraktiver macht. Ein weiterer Effekt des Freihandelsabkommens ist eine Zunahme der Exporte deutscher Fahrzeuge nach Indien. Allerdings wird dieser in absoluten Zahlen als gering eingeschätzt. So könnten die Exporte um 90 Prozent (+ 103 Millionen Euro) von aktuell 114 auf 217 Millionen Euro steigen. Dies bedeutet aber auch, dass das festgelegte Kontingent an Fahrzeugen von 250.000, das aus der EU nach Indien zollfrei eingeführt werden könnte, in absehbarer Zeit nicht ausgeschöpft wird. 

Prioritäten zur Erschließung der Potenziale des EU-Indien-Abkommens

Deutsche Fahrzeughersteller können die verbesserten Importbedingungen nutzen, um ausgewählte, in Europa produzierte Premium- und Elektrofahrzeuge in Indien einzuführen und die lokale Nachfrage gezielt zu testen. Der Wegfall der Zölle bietet deutschen Zulieferern unmittelbare Kostenvorteile und somit die Chance, ihre Position in Indien auszubauen und neue Lieferbeziehungen zu erschließen. Günstigere Komponenten und Ersatzteile können die Produktions- und Instandhaltungskosten senken und so die Wettbewerbsfähigkeit sowie die Attraktivität deutscher Fahrzeuge insgesamt erhöhen.

Autorinnen und Autoren: 

Ines Österle | Automotive Research

Dr. Timo Walter | Economics

Ralf Esser | Leiter Sector Insights & Studies

Sophie Flores | EU Policy Centre

Yannick Scheve | Global Trade Advisory

1 VDA (2026): Export, abgerufen am 4.9.2026.

2 Statistisches Bundesamt (2026): Außenhandel, abgerufen am 4.9.2026. 

3 Europäische Kommission (2026): Factsheet - EU-India Free Trade Agreement: Main benefits, abgerufen am 4.9.2026.

4 Central Board of Indirect Taxes and Customs. (2026): Trade guide on imports, abgerufen am 10.9.2026.

5 Europäische Kommission (2026): EU und Indien schließen wegweisendes Freihandelsabkommen ab, abgerufen am 4.9.2026.

6 Economist Enterprise EIU (2026): Number of households earning more than US$75,000/year (constant prices), abgerufen am 7.9.2026.

7 MarkLines (2026): Supplier Database, abgerufen am 4.9.2026. 

8 Als Grundlage für die Analysen dient daher die Annahme einer mittleren Reduzierung der nicht-tarifären Handelshemmnisse, basierend auf Erfahrungen mit vergleichbaren Abkommen.

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