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Die KI-Revolution findet nicht nur in Software statt. Jede Abfrage eines KI-Modells, jede Cloud-Anwendung und jede datenbasierte Geschäftsentscheidung benötigt physische Rechenleistung. Dafür braucht es leistungsfähige Chips, eine verlässliche Stromversorgung, schnelle Datennetze und vor allem Rechenzentren. Je schneller Künstliche Intelligenz und Cloud-Dienste in Unternehmen und Alltag vordringen, desto größer wird der Bedarf an Rechenleistung. Aus digitaler Innovation entsteht damit ein physischer Investitionszyklus, und Rechenzentren werden zur industriellen Basis des KI-Zeitalters.1
Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage: Wie erfolgreich ist Deutschland im internationalen Wettbewerb um Investitionen in Rechenzentren? Das vorliegende Briefing untersucht, in welchem Umfang Deutschland ausländische Neuinvestitionen in Rechenzentren anzieht.2 Diese Investitionen bilden nicht den gesamten Markt ab, da auch deutsche Unternehmen neue Kapazitäten finanzieren. Sie zeigen jedoch, wo internationale Unternehmen investieren, wie viel Kapital sie mobilisieren und welche Regionen sich als Standorte der digitalen Infrastruktur etablieren. Damit dienen die Daten als Gradmesser für Deutschlands internationale Wettbewerbs- und Standortattraktivität in diesem Bereich und zeigen zugleich, aus welchen Ländern das investierte Kapital stammt.
Die Ergebnisse zeichnen damit ein differenziertes Bild. Im Standortwettbewerb ist Deutschland international sichtbar und zieht eine breite Zahl von Projekten an, bleibt bei der Mobilisierung großer Investitionssummen und besonders kapitalintensiver Kapazitäten jedoch hinter den führenden Wettbewerbern zurück.
Der Start von ChatGPT im November 2022 markiert einen Wendepunkt. Generative KI wurde innerhalb kurzer Zeit zum Massenprodukt und Rechenleistung zum Engpass. Seitdem bauen Technologieunternehmen ihre Kapazitäten für das Training und den Betrieb immer größerer KI-Modelle massiv aus. In den Investitionsdaten wird dieser Wandel mit zeitlicher Verzögerung sichtbar, da Planung, Finanzierung und Ankündigung großer Rechenzentren mehrere Jahre benötigen. Die Internationale Energieagentur (IEA) nennt für neue Rechenzentren eine typische Realisierungszeit von ein bis drei Jahren.3 In Deutschland können Planungs-, Genehmigungs- und Netzanschlussverfahren die Projektdauer jedoch noch einmal verlängern.
Abb. 1: Angekündigte FDI Neuinvestitionen in Rechenzentren (in Mrd. Euro)
Bis 2024 bewegten sich die angekündigten ausländischen Investitionen in Rechenzentren in Deutschland und Frankreich noch auf einem ähnlichen Niveau. Deutschland erreichte mit rund 7,5 Milliarden Euro einen vorläufigen Höchststand, Frankreich lag mit fast acht Milliarden Euro nur leicht darüber.
Im Jahr 2025 änderte sich das Bild grundlegend. Während das Investitionsvolumen in Deutschland zurückging, stieg es in Frankreich sprunghaft auf mehr als 60 Milliarden Euro. Damit zog Frankreich rund elfmal so viel ausländisches Kapital für neue Rechenzentren an wie Deutschland und lag mit 25 Milliarden Euro auch deutlich vor den USA.4 Frankreich rückte damit auf Platz eins bei den ausländischen Investitionen. Die vorläufigen Daten bis Mai 2026 unterstreichen bislang die starke Position des Landes. Getragen wird diese Entwicklung von wenigen besonders kapitalintensiven Großvorhaben kanadischer Infrastrukturinvestoren und finanzstarker Kapitalgeber aus der Golfregion. Eine gut verfügbare Atomstromversorgung, geeignete Industrieflächen und eine aktive staatliche Ansiedlungspolitik schaffen dabei günstige Voraussetzungen für KI-Projekte im Gigawattmaßstab.
Der Vergleich betrachtet ausschließlich angekündigte ausländische Neuinvestitionen und bildet daher nicht das gesamte Investitionsgeschehen ab. In den USA wird der Ausbau überwiegend von einheimischen Technologiekonzernen und ihren Infrastrukturpartnern getragen. Diese Investitionen sind in den FDI-Daten nicht enthalten. Bei den Gesamtinvestitionen in Rechenzentren behaupten die USA daher weiterhin mit deutlichem Abstand ihre Spitzenposition.
Mit mehr als 100 Vorhaben führt Deutschland den europäischen Projektvergleich in Bezug auf die Anzahl der Rechenzentrumsprojekte an. Die Projekte verteilen sich auf eine vergleichsweise breite Zahl internationaler Unternehmen. Auf Ebene der Herkunftsländer besteht jedoch eine deutliche Konzentration auf die USA.
Betrachtet man ausschließlich das mobilisierte Kapital, kehrt sich das Bild jedoch um. Trotz der hohen Projektzahl bleibt Deutschland deutlich hinter Frankreich sowie dem Vereinigten Königreich und Spanien zurück und erreicht europaweit nur Rang vier. Dies deutet darauf hin, dass hierzulande vor allem kleinere Vorhaben realisiert werden, während großvolumige Megadeals bislang selten bleiben.
Abb. 2: Deutschland führt Europas Projektvergleich – beim Kapital liegen andere Märkte vorne (2020-2026)
Eine Ursache dafür sind strukturelle Engpässe. Für große KI-Rechenzentren ist nicht allein der Strompreis entscheidend, sondern vor allem, ob ausreichend Strom- und Netzanschlusskapazität rechtzeitig und verlässlich verfügbar ist. Große KI-Rechenzentren benötigen langfristig gesicherte und wettbewerbsfähige Strommengen, leistungsfähige Netzanschlüsse sowie große zusammenhängende Flächen. Gerade in den etablierten deutschen Rechenzentrumsregionen sind diese Ressourcen knapp. Hinzu kommen hohe Stromkosten sowie lange Planungs-, Genehmigungs- und Netzanschlussverfahren, die den Aufbau neuer Kapazitäten erschweren. Die Bundesregierung plant im Rahmen der bereits beschlossenen Nationalen Rechenzentrumsstrategie5, Flächen schneller zu erschließen, Netzanschlüsse zu verbessern und Genehmigungsverfahren zu beschleunigen. Entscheidend wird sein, wie schnell diese Maßnahmen umgesetzt werden.
Die Investorenbasis ist international breit aufgestellt, wird jedoch stark von US-amerikanischen Unternehmen geprägt. Neben den großen Hyperscalern engagieren sich vor allem spezialisierte Rechenzentrumsbetreiber, Cloud- und Softwareanbieter sowie Immobilien- und Infrastrukturinvestoren. Ergänzt wird das Investorenfeld durch Unternehmen und Kapitalgeber aus Japan, den Niederlanden, Luxemburg und dem Vereinigten Königreich. Die ausgewiesenen Herkunftsländer spiegeln allerdings nicht immer die tatsächlichen Eigentümerstrukturen wider, da sie teilweise lediglich den Sitz der investierenden Konzerneinheit erfassen. So steht hinter einzelnen niederländischen und luxemburgischen Plattformen Kapital aus anderen Ländern, darunter auch aus den USA. Der hohe Anteil US-amerikanischer Investoren wirft zugleich die Frage nach der digitalen Souveränität auf. Der Ausbau kritischer digitaler Infrastruktur in Deutschland hängt in erheblichem Maß von den Investitionsentscheidungen außereuropäischer Unternehmen ab. Für die weitere Entwicklung des deutschen Rechenzentrumsmarktes sind hier vor allem die strategischen Entscheidungen globaler Technologie- und Infrastrukturunternehmen relevant.
Abb. 3: US-Investoren und Frankfurt prägen das deutsche Investitionsgeschehen (2020-2026)
Das räumliche Zentrum der Investitionen bildet Frankfurt am Main. Die Stadt profitiert von ihrer Lage im Herzen Europas, einer dichten Glasfaser- und Rechenzentrumsinfrastruktur sowie dem DE-CIX, einem der weltweit führenden Internetknoten. Die Nähe zu zahlreichen Netzbetreibern, Cloud-Diensten, Finanzinstituten und Unternehmenskunden ermöglicht schnelle Verbindungen sowie geringe Latenzzeiten und bietet dadurch entscheidende Standortvorteile für Rechenzentren. Entsprechend entfallen auf Frankfurt 48 Projekte mit einem Volumen von 11,3 Milliarden Euro – Berlin und München folgen mit deutlichem Abstand.
Die Ergebnisse zeigen vier zentrale Punkte für Deutschlands KI-Infrastruktur:
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