Die EU führt mit der Zwangsarbeitsverordnung ein umfassendes Verbot für Produkte ein, die unter Zwangsarbeit hergestellt wurden. Die Regelung ist bereits in Kraft und gilt für Unternehmen ab Dezember 2027 – mit weitreichenden Auswirkungen auf Lieferketten und Compliance‑Prozesse. Unternehmen stehen damit vor der Aufgabe, sich frühzeitig auf neue Prüf‑ und Transparenzanforderungen einzustellen. Vorbereitung zahlt sich aus: Wer jetzt handelt, minimiert Risiken und stärkt langfristig die eigene Stellung und Reputation.
Die EU Forced Labour Regulation (EU-FLR) verfolgt ein klares Ziel: Produkte, die ganz oder teilweise unter Zwangsarbeit hergestellt wurden, sollen nicht mehr auf dem europäischen Markt erhältlich sein. Die Verordnung verbietet künftig sowohl das Inverkehrbringen, das Bereitstellen (einschließlich Online‑Verkäufe) als auch den Export entsprechender Produkte – unabhängig davon, aus welchem Land sie stammen oder in welcher Branche sie produziert wurden.
Der Ansatz ist umfassend: Die Regulierung deckt die gesamte Lieferkette ab – von der Rohstoffgewinnung über Verarbeitung und Montage bis hin zum fertigen Produkt. Selbst wenn nur ein Teil der Wertschöpfung betroffen ist, kann das gesamte Produkt vom Markt ausgeschlossen werden.
Dabei wird ein risikobasierter Ansatz verfolgt: Besonders im Fokus stehen Produkte, Sektoren und Regionen, die ein erhöhtes Risiko für Zwangsarbeit aufweisen. Ermittlungen können sowohl von nationalen Behörden als auch von der EU‑Kommission geführt werden, begleitet von Bewertungen, Informationsanfragen und – in Ausnahmefällen – Vor‑Ort‑Prüfungen.
Die EU-FLR ist bereits in Kraft (seit Dezember 2024), befindet sich aber aktuell in der Implementierungsphase und wird ab Dezember 2027 gelten. Bis zum 14. Juni 2026 sollen Leitlinien zur Verfügung gestellt werden, die den Unternehmen mehr Klarheit bei der Umsetzung in Aussicht stellen (u.a. über die Erfüllung der Sorgfaltspflichten, Risikoindikatoren oder Übermittlung von Informationen).
Im Rahmen der EU‑FLR geht es nicht nur darum, mögliche Zwangsarbeitsrisiken zu identifizieren, sondern vor allem darum, wie belastbar Unternehmen diese Einschätzungen belegen können. Die Behörden stützen sich bei ihren risikobasierten Vorprüfungen auf eine Vielzahl von Informationsquellen, darunter Berichte, Risikoindikatoren sowie von Unternehmen bereitgestellte Daten, und können zusätzliche Nachweise oder Dokumente anfordern. Mit der geplanten EU‑Risikodatenbank können Unternehmen in Hochrisikosektoren stärker in den behördlichen Fokus geraten. Fehlende oder schwache Lieferkettendaten fallen dadurch deutlich schneller auf.
Transparenz in Daten und Lieferketten wird damit zu einem zentralen Instrument, um finanzielle und operative Risiken wirksam abzuwehren. Fehlende oder unpräzise Nachweise können zu Marktzugangsbeschränkungen, operativen Unterbrechungen, erhöhtem Prüfaufwand oder im schlimmsten Fall zu Produktrückrufen und finanziellen Belastungen führen. Ein solides Daten- und Prozessfundament stärkt daher nicht nur die Compliance‑Sicherheit, sondern auch die Wertschöpfungskette und stellt eine verlässliche Grundlage für die Risikosteuerung dar.
Dabei können sich Unternehmen auf die Erkenntnisse stützen, die sie bereits aus anderen Regelungen zur Lieferketten-Compliance (u.a. aus dem LkSG und der EUDR) und ggf. aus der Sanktions-Compliance gewonnen haben.
Es zeigt sich: Compliance muss ganzheitlich gedacht werden - diese Maßgabe hilft bei der smarten Umsetzung der EU Forced Labour Regulation.
Auch wenn die EU-FLR selbst keine neuen Sorgfaltspflichten nennt, greift sie direkt in Produkt‑ und Lieferkettenprozesse ein. Unternehmen profitieren, wenn sie, bereits jetzt:
Frühzeitig aktiv zu werden reduziert Risiken, Kosten sowie operative Störungen – und stärkt zugleich das Vertrauen von Kunden und Geschäftspartnern.
Möchten Sie die aktuellen Entwicklungen zur EU Forced Labour Regulation (EU FLR) im Blick behalten, Ihre Lieferkettentransparenz weiter ausbauen und Synergien innerhalb Ihrer Lieferketten Compliance nutzen? Dann profitieren Sie von unserer umfassenden Expertise und nutzen Sie Ihre bestehenden Prozesse zielgerichtet für die neuen regulatorischen Anforderungen.
Bei Fragen unterstützen wir Sie gerne.
Eine solide Lieferketten Compliance leistet weit mehr als die Erfüllung einzelner Pflichten. Sie bündelt Prozesse und Daten so, dass Unternehmen strategische Synergien nutzen können.
Christine Fleischer - Director | Regulatory & Compliance