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„Es braucht oft weniger, als man denkt, um etwas Sinnvolles zu tun.“

Felix und Marcel arbeiten im Bereich Deal Transformation & Post-Merger Integration (PMI) bei Deloitte in Berlin. Ihr Alltag ist geprägt von M&A‑Projekten, Verantwortung und engen Timelines. Mit dem Social Impact Month haben sie gemeinsam mit ihrem Team eine Initiative gestartet, bei der sie einen Monat lang bewusst außerhalb ihres Projektalltags arbeiten. Im Interview erzählen sie, warum sie das gemacht haben und was sich dadurch verändert hat.

Ihr habt den Social Impact Month gestartet. Was ist das und wie kam es dazu? 
Felix
: Bei Deloitte hat man grundsätzlich die Möglichkeit, sich im Rahmen von Corporate Volunteering zu engagieren. Jeder kann sich dafür Zeit nehmen und diese flexibel einsetzen. Ich habe mich ursprünglich allein engagiert, in einem Schulprojekt. Es ging darum, eine Schülerfirma zu begleiten, angefangen bei den Basics wie Excel oder Buchführung. Das war anders als der normale Alltag und hat überraschend viel Spaß gemacht, weil du eben nicht in deinem typischen Projektkontext bist, sondern mit einer ganz anderen Zielgruppe arbeitest. Irgendwann habe ich das im Team erzählt: Wir saßen nach der Arbeit zusammen und haben gemerkt, dass genau dieser Austausch gerade Spaß macht. Und dann kam relativ schnell die Frage auf, warum wir das nicht gemeinsam machen? Also nicht nur klassisch zusammen etwas trinken gehen, sondern bewusst etwas zu tun, was über den Job hinausgeht und dabei gleichzeitig als Team funktioniert. Im Grunde haben wir Corporate Volunteering mal anders gedacht: nicht individuell und punktuell, sondern gemeinsam als Team über einen ganzen Zeitraum hinweg, mehrere Einsätze gebündelt. Daraus ist dann der Social Impact Month entstanden.  

Wie lief die Umsetzung dann ab? Was war anders, als ihr erwartet habt? 
Marcel: Wir haben relativ schnell gemerkt: Das ist kein kleines Nebenthema. Am Ende haben wir das genauso aufgesetzt wie ein klassisches Projekt, mit klaren Rollen, Abstimmungen und viel Koordination. 

Felix: Man denkt erstmal: Unterstützung wird gebraucht, also gehen wir irgendwo hin und helfen. In der Praxis ist das deutlich komplexer. Viele Einrichtungen haben feste Abläufe, begrenzte Kapazitäten und müssen genau schauen, was sie überhaupt leisten können, gerade wenn größere Gruppen kommen. Das heißt, wir mussten erstmal verstehen, wo wir wirklich sinnvoll unterstützen können, wo unsere Hilfe tatsächlich gebraucht wird. Das war für mich eine wichtige Erkenntnis.

„Engagement heißt nicht nur, Zeit zu investieren. Du musst auch verstehen, wie die Realität auf der anderen Seite aussieht.“ 

Wie wurde das intern bei Deloitte aufgenommen? 
Marcel:
Sehr offen und vor allem sehr unterstützend. Im Team war die Resonanz direkt positiv. Aber auch darüber hinaus war das Feedback erstaunlich klar: 'Macht das'. Das kam nicht nur von Kolleg:innen auf gleicher Ebene, sondern auch von Führungskräften. Ein Partner hat uns ziemlich früh gesagt: Wenn es irgendwo Probleme gibt, meldet euch. Das war keine Floskel, die einfach so fällt, sondern echte Rückendeckung. Gerade wenn du weißt, dass du parallel auf Projekten arbeitest, gibt dir das die Sicherheit, so etwas überhaupt aufzuziehen. 

Felix: Gleichzeitig merkst du auch, wie zugänglich die Organisation ist. Du gehst auf Leute zu, adressierst ein Thema – und bekommst Unterstützung. Das ist nichts, was perfekt vorbereitet sein muss. Du entwickelst die Dinge, während du sie machst.  

Nach der Vorbereitung kommt das Engagement selbst. Was ist euch aus dieser Zeit besonders im Kopf geblieben? 
Marcel: Für mich ist es vor allem der Schritt raus aus der vertrauten Komfortzone. In unserem Joballtag arbeiten wir an Themen, bei denen es um große Zahlen geht, um Transaktionen, um Projekte mit entsprechendem Druck und Tempo. Und dann bist du plötzlich in einem Umfeld, in dem es um ganz andere Dinge geht: Zum Beispiel darum, dass ein Verein darauf angewiesen ist, dass genügend Brot-Spenden zur Verfügung stehen. Es geht um Versorgung, Unterstützung im Alltag, ganz konkrete Bedürfnisse. 

Bei der Arbeit mit älteren Menschen wiederum merkst du, was sie wirklich bewegt – und was nicht. Die Bilder in den Zimmern erzählen das eigentlich ganz gut. 

„An den Wänden im Seniorenheim hängen keine Bilder vom Porsche, sondern von den Kindern und Enkelkindern.“ 

Diese Erfahrung ist kein Bruch, aber ein ziemlich klarer Perspektivwechsel. 

Felix: Bei mir sind viele einzelne Situationen. Zum Beispiel die Arbeit in einer Essensausgabe beim Waffeln backen, erstmal nichts Spektakuläres. Doch dann kommst du in Gespräche, die komplett verfangen. Das ist nichts, was du planst, aber fühlt sich sehr direkt an. So etwas erlebt man im normalen Arbeitsalltag nicht. 

Hat sich dadurch euer Blick auf den eigenen Alltag verändert? 
Felix:
Ja, spürbar. Du wirst sensibler, reflektierst mehr. Was bei mir besonders hängen geblieben ist: Wie niedrig die Hürde eigentlich ist, sich zu engagieren. Man denkt immer, das muss groß sein, in Wirklichkeit geht es erstmal darum, einfach anzufangen. 

Marcel: Genau. Und ich glaube, man verliert dabei auch in gewisser Weise die Erwartung, dass alles sofort eine große Wirkung haben muss. Es geht nicht darum, etwas Grundlegendes zu verändern. Sondern eher, sich einzubringen, präsent zu sein und sich bewusst aus dem eigenen Kontext herauszubewegen, der besagten Komfortzone eben.  

Was hat das mit euch als Team gemacht? 
Felix: Ich finde, man sieht sich anders. Im Projekt hat jeder seine Rolle, seine Aufgaben, seine Dynamik. Und die funktioniert auch. Aber wenn du gemeinsam in so einem Umfeld unterwegs bist, fallen diese Strukturen ein Stück weit weg. 

Marcel: Dadurch verändern sich auch die Gespräche. Das ist nicht wie ein klassischer Teamabend oder ein Afterwork, bei dem man irgendwann doch wieder bei den gleichen Themen landet. Hier hast du eine andere Grundlage für Austausch. Und das merkt man auch danach noch. Weil man sich nicht nur fachlich, sondern auch persönlich anders eingeordnet hat.  

Wie geht es mit dem Social Impact Month weiter? 
Marcel:
Wir wollen das klar weiterentwickeln. Zum einen, indem wir mehr Standorte einbinden und das Ganze größer denken. Zum anderen auch inhaltlich, also zum Beispiel mit der Frage, wann solche Einsätze am sinnvollsten sind. Viele Aktivitäten finden im Frühjahr oder Sommer statt. Gleichzeitig haben wir häufig das Feedback bekommen, dass gerade im Winter der Bedarf deutlich größer ist. Das sind Dinge, die wir stärker berücksichtigen wollen.  

Felix: Langfristig wäre es natürlich schön, wenn solche Initiativen nicht nur von einzelnen Teams ausgehen. Sondern sich stärker im Unternehmen verankern und breiter entstehen. Dass es nicht mehr davon abhängt, wer es gerade initiiert, sondern dass es sich organisch entwickelt. Das Gute ist ja, dass man nicht ein Jahr auf diesen Monat warten muss, sondern sich auch das ganze Jahr über engagieren kann.  

Was würdet ihr jemandem sagen, der sich engagieren möchte, auch im Jobkontext? 
Felix: Nicht zu lange warten. Viele haben Interesse, bleiben aber beim bloßen Gedanken, weil sie nicht wissen, wie sie anfangen sollen oder wen sie ansprechen können. Dabei entsteht vieles genau dadurch, dass man es einfach einmal anspricht. Und dann entwickelt sich meistens mehr, als man vorher erwartet hätte. 

Marcel: Ganz wichtig finde ich auch: Keine falsche Zurückhaltung. Wir haben die Erfahrung gemacht: Wenn dir ein Thema wichtig ist, dann musst du das auch zeigen und verfolgen. Gerade in einem größeren Umfeld wie Deloitte ist es entscheidend, dass du Dinge sichtbar machst. Und dann passiert oft genau das, was wir auch erlebt haben: Wenn du etwas vorantreiben willst, findest du hier schnell die richtigen Leute. Die Möglichkeiten sind da, man muss sie nur nutzen.