Hallo, ich bin Niclas und Senior Consultant bei Deloitte. In diesem Beitrag nehme ich dich mit hinter die Kulissen meines Arbeitsalltags und meines Engagements für die Pride Initiative – von internationalen Projekten bis zur Organisation des CSD in Berlin. Dabei teile ich, was mich antreibt und warum mir dieses Engagement persönlich so viel bedeutet.
Niclas, was hat dich damals zu Deloitte geführt – und woran arbeitest du heute?
Ich bin 2021 nach Berlin gekommen, nachdem ich in einer Frankfurter Vorstadt aufgewachsen bin. Ich wollte ganz bewusst einen neuen Schritt wagen – nicht nur beruflich, sondern auch persönlich. Berlin kannte ich schon durch mehrere Städtetrips und den CSD und ich wusste sofort: Das ist eine Stadt, in der ich mich weiterentwickeln und entfalten kann. Ich habe mich damals für ein Duales Studium bei Deloitte entschieden, an das sich meine Festanstellung angeschlossen hat. Mittlerweile bin ich im fünften Jahr bei Deloitte, im Identity & Access Management-Bereich tätig und begleite aktuell ein globales Großprojekt bei einem weltweit führenden Versicherungskonzern. Dabei geht es um eine IT-Harmonisierung über mehrere Länder hinweg. Meine Schwerpunkte liegen auf regulatorischen Anforderungen sowie der Standardisierung von IAM-Richtlinien und -Prozessen. Kurz gesagt: Ich unterstütze unseren Kunden dabei, IAM sicherer, effizienter und zukunftsfähiger aufzustellen. Was dabei besonders ist: Dieses Projekt hat mich schon in die verschiedensten Länder gebracht. Ich durfte Workshops in Thailand, Estland und England für die jeweiligen Gesellschaften vor Ort begleiten.
Wow, das klingt unglaublich interessant. Du nimmst dir neben der beruflichen Reisetätigkeit aber auch noch Zeit, dich für dein Herzensthema zu engagieren: der Pride Initiative bei Deloitte. Wie kam es dazu?
Mein erster Kontakt mit der Pride Initiative bei Deloitte war der CSD 2022. Noch während meines ersten Jahres bei Deloitte habe ich gesehen, dass wir mit einem eigenen Truck am Berliner CSD teilnehmen. Das fand ich beeindruckend. Als junger Mensch, der gerade neu in ein großes Unternehmen in einer fremden Stadt kommt, sendet das ein unglaublich starkes Signal: Hier kann ich sein, wer ich wirklich bin. Ich habe mich direkt für die Teilnahme gemeldet und war auch beim Pre-Event dabei. Das war ein Abend, an den ich mich bis heute erinnere: Die Offenheit, die Energie und der Purpose waren sofort präsent – und ich wusste: Hier engagieren sich Menschen, die wirklich etwas verändern wollen.
Danach wurde ich Mitglied bei der Pride Initiative und habe zunächst kleine Aufgaben übernommen, zum Beispiel Texte für das Intranet oder Teams-Posts zu verfassen. Mit der Zeit wurde es mehr und irgendwann war ich mittendrin in den organisatorischen Aufgaben rund um Veranstaltungen und die Kommunikation. Heute bin ich Teil des Kernteams, das unser Pride-Netzwerk über das ganze Jahr hinweg gestaltet.
Besonders dankbar bin ich auch für die durchgehende Unterstützung meines Vorgesetzten, meines Counselors und meiner Fachabteilung – damals während meines dualen Studiums und heute als Consultant. Ich finde das nicht selbstverständlich und freue mich immer, wenn sie diesen Beitrag neben meiner Haupttätigkeit sehen, wertschätzen und unterstützen.
Wie haben dir deine Erfahrungen im Netzwerk persönlich oder beruflich geholfen?
Ich würde sagen: in jeder Hinsicht. Als ich ins Studium gestartet bin, war ich natürlich noch sehr junior. Vieles war neu – und gleichzeitig hatte ich den Anspruch, mich schnell weiterzuentwickeln. Die Pride Initiative war dabei ein Ort, an dem ich ohne Druck wachsen konnte, sondern mit echtem Vertrauen und Unterstützung im Hintergrund.
Besonders geprägt hat mich die Arbeit rund um unsere Kommunikation. Mein Schreibstil, mein Gefühl für Sprache und die Wirkung von Botschaften haben sich in dieser Zeit enorm weiterentwickelt. Auch mein Englisch ist deutlich besser geworden, weil viele unserer Formate aus Inklusivitätsgründen auf Englisch stattfinden – Workshops, Panels, Moderationen.
Vor größeren Gruppen zu sprechen war für mich damals nicht selbstverständlich und kannte ich bis dahin nur aus einzelnen Vorträgen an der Hochschule. Durch das Netzwerk hatte ich die Möglichkeit, solche Situationen in einem sicheren Umfeld auszuprobieren. Das hat mir beruflich wie persönlich sehr viel Selbstvertrauen gegeben.
Du hast gerade schon die Events angesprochen, die ihr organisiert und durchführt. Gibt es darunter eins, das für dich eine besondere Bedeutung hat?
Ohne Frage: der CSD in Berlin. Wir arbeiten jedes Jahr ein halbes Jahr darauf hin. Ab Januar beginnen wir mit Abstimmungen zur Anmeldung, zum Design des Trucks, der Musik, der Koordination mit unserer Drag Queen, mit dem DJ und mit der Agentur, die den Truck stellt. Wir klären Genehmigungen, entwickeln die Kommunikation, schreiben Beiträge, bereiten Social-Media-Materialien vor. Und dann kommt dieser eine Moment am Tag selbst, auf den wir alle hingearbeitet haben: Wenn der Truck rollt und man die Energie unseres Teams und der Community spürt, ist das ein unglaublich bewegender Augenblick, für den sich jede einzelne Stunde Vorbereitung gelohnt hat. Ich werde nie vergessen, wie wir letztes Jahr morgens um 10 Uhr am Truck ankamen. Die Agentur war noch dabei, die Deko anzubringen, die T-Shirts lagen bereit, die Technik wurde geprüft. Ab 11 Uhr kamen dann die ersten von am Ende über 140 Kolleg:innen an, begrüßten sich, machten Fotos – und man hat gemerkt, wie viel dieser Tag für viele bedeutet. Auch die Leipziger Straße, an der der CSD jedes Jahr beginnt, wurde immer voller. In diesem Moment fiel die komplette Anspannung der Vorbereitung ab und die Vorfreude auf die Demonstration stieg umso mehr.
Das muss wirklich ein tolles Gefühl sein, wenn es losgeht. Du hast 2025 zum ersten Mal die Organisation unserer Teilnahme am CSD verantwortet. Welche Momente und Herausforderungen bleiben dir besonders in Erinnerung? Läuft da immer alles glatt oder geht auch mal was schief?
Der schönste Moment ist für mich immer der Morgen des CSD. Aber die Herausforderungen sind jedes Jahr andere. Ein Beispiel aus einem früheren Jahr: Es gab am Vorabend der Veranstaltung Probleme mit der Zugmaschine des Trucks. Wir wurden abends angerufen: kein funktionierender LKW, weniger als 24 Stunden bis zur Demo. Die Agentur hat dann über Nacht eine Ersatzmaschine organisiert und noch in derselben Nacht alles umgebaut. Am nächsten Morgen stand der Truck dann tatsächlich einsatzbereit da – da ist uns allen wirklich ein Stein vom Herzen gefallen.
Zwischen all diesen großen Herausforderungen gibt es aber auch diese kleinen Momente, die den Tag so besonders machen: Kolleg:innen, die sich gegenseitig schminken, der DJ, der den ersten Track soundcheckt, Freund:innen, die am Straßenrand stehen und einem zuwinken. Der CSD ist eine echte Teamleistung – und vielleicht genau deshalb so emotional. Aber genau diese Herausforderungen haben mir gezeigt, wie sehr ich in solchen Projekten aufblühe und wie stark das Team ist, das hinter der Pride Initiative bei Deloitte steht.
Was glaubst du, welche Wirkung solche Events wie der CSD haben – intern wie extern?
Intern schaffen sie Sichtbarkeit und Sicherheit. Gerade für junge Kolleg:innen ist es wichtig zu sehen, dass Deloitte nicht nur sagt, dass Vielfalt wichtig ist – sondern es auch zeigt. Kolleg:innen – insbesondere junge oder neu dazugekommene, so wie auch ich ganz zu Beginn – sehen, dass sie hier sicher sind und sie selbst sein können. Das Netzwerk und insbesondere der CSD haben mir auf eine sehr direkte Weise Zugehörigkeit vermittelt. Dass Menschen ihre Perspektiven einbringen können, ohne sich verstellen zu müssen, hat meiner Meinung nach auch direkt Einfluss auf Kreativität und Zusammenarbeit.
Extern ist es ein deutliches Zeichen. Gerade im vergangenen Jahr, als einige Unternehmen ihre Unterstützung gegenüber der Community und ihre Teilnahme am Berliner CSD zurückgezogen haben, war es für uns wichtig zu zeigen: Wir stehen weiterhin sichtbar für die Community und ihre Werte ein. Talente sehen, dass sie bei uns willkommen sind, ganz unabhängig davon, wen sie lieben oder wie sie leben. Durch unser Engagement machen wir sichtbar, dass Deloitte ein Ort ist, an dem Vielfalt gefördert statt nur toleriert wird.
,,Talente sehen, dass sie bei uns willkommen sind, ganz unabhängig davon, wen sie lieben oder wie sie leben.“
Wie hat dich der Austausch mit anderen Netzwerkmitgliedern geprägt?
Ich habe gelernt, dass Community nicht heißt, dass alle dieselben Erfahrungen haben. Im Gegenteil: Manche Kolleg:innen haben ganz andere Lebensrealitäten; manche erleben Diskriminierung, von der ich selbst zum Glück weniger betroffen bin. Der Austausch hat mir die Augen für die Vielfalt und Probleme innerhalb der Community geöffnet.
Gleichzeitig habe ich erlebt, wie stark Verbundenheit entsteht, wenn man gemeinsam an einem großen Ziel arbeitet. Besonders schön spürt man diesen Zusammenhalt aber nicht nur bei großen Events, sondern auch in den kleinen Traditionen, die wir entwickelt haben – zum Beispiel, dass wir jedes Jahr in verschiedenen Städten gemeinsam queere Weihnachtsmärkte besuchen. Da kommen Kolleg:innen aus München, Düsseldorf, Berlin, Hamburg zusammen. Diese Abende zeigen mir jedes Jahr erneut, wie sehr dieses Netzwerk Menschen verbindet, unabhängig davon, wo sie arbeiten oder welche Rolle sie in unserem Unternehmen haben.
Was würdest du jungen Kolleg:innen sagen, die überlegen, sich in einem Netzwerk wie eurem zu engagieren?
Traut euch – und fangt klein an. Engagement bedeutet nicht, sofort einen CSD zu organisieren. Es kann ein kurzer Beitrag im Intranet sein, eine Idee für einen Awareness Day, ein paar Sätze für unseren Teams-Kanal. Wir freuen uns über alles und lassen dabei auch niemanden allein.
Ganz wichtig: Man muss nicht queer sein, um sich zu engagieren. Allies in unserem Netzwerk sind genauso wichtig und herzlich willkommen. Jede Person, die Lust hat beizutragen, findet bei uns einen Platz!
Welche Bedeutung haben Netzwerke wie die Pride Initiative für ein Unternehmen – und was wünschst du dir für die Zukunft?
Für mich sind sie kulturelle Ankerpunkte, die Diversität nicht nur sichtbar machen, sondern aktiv leben. Ohne die zusätzliche, freiwillige Arbeit engagierter Kolleg:innen gäbe es weder diese Vielzahl an Netzwerken noch die gelebte Vielfalt, die unser Unternehmen heute prägt. Dieses Engagement verdient nicht nur Anerkennung, sondern auch mehr strukturelle Unterstützung – Zeit, Ressourcen, institutionelle Anerkennung.
Für mich persönlich ist die Pride Initiative bei Deloitte viel mehr als ein Netzwerk. Sie ist ein Raum, in dem ich mich gesehen und unterstützt fühle, in dem ich Verantwortung übernehmen und über mich hinauswachsen kann. Ich habe dort Menschen kennengelernt, die mich inspirieren, empowern und begleiten. Und es bedeutet mir sehr viel, dass ich heute selbst etwas zurückgeben kann – sei es durch persönliche Treffen, Sichtbarkeit oder einfach durch ein offenes Ohr für Kolleg:innen, die ähnliche Wege gehen.
Für die Zukunft wünsche ich mir daher mehr ganzjährige Sichtbarkeit. Queere Themen hören nicht am Ende des Pride Month auf. Ich wünsche mir mehr Education-Formate, mehr persönliche Geschichten, mehr Austausch auch mit anderen Netzwerken bei Deloitte und gerne auch unternehmensübergreifend: Gemeinsame Initiativen können noch mehr Wirkung entfalten, die Community insgesamt stärken, Brücken schaffen und neue Kontakte knüpfen. Und vor allem wünsche ich mir, dass wir trans-, nicht-binären und weniger sichtbaren queeren Stimmen noch stärker Raum geben. Oft fehlt es uns dabei aber noch an engagierten Kolleg:innen, die all diese tollen Ideen unterstützen.
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