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Press article: Zurück in die Zukunft – Asset Management und Basel III

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Die Geschichte des globalen Finanzsystems ist auch eine Geschichte von Krisen. Liquiditätsengpässe und Bankenkonkurse sind kein rein neuzeitliches Phänomen, das auf die zunehmende Vernetzung der Finanzmärkte zurückzuführen wäre. Die Kreditkrise von 1294 und die Tulpenmanie von 1637 weisen beispielsweise bemerkenswerte Parallelen zu den jüngsten Finanzkrisen auf. Im Allgemeinen gibt es drei Hauptursachen für finanzielle Zusammenbrüche: lockere Geldpolitik und Regulierung, Anleger, die das ‚schnelles Geld‘ suchen, sowie das Entstehen und Platzen von Spekulationsblasen. Typischerweise sehen sich Politiker und Aufsichtsbehörden nach solchen Krisen gezwungen, auf deren Symptome zu reagieren. Dies führt meist zu einer Phase strengerer finanzieller Regulierung, auf die in der Regel nach einigen Jahren wieder eine Phase der Lockerung folgt.

Zur Bekämpfung der Krisensymptome des hochkomplexen und unberechenbaren Finanzsystems unserer Tage werden mehrere Schritte unternommen: Aufsichtseinrichtungen und Anforderungen zur Risikobegrenzung werden ausgebaut; das Liquiditäts-, Kontrahenten- und Kreditrisiko gewinnt besondere Aufmerksamkeit. Die Bilanzen werden bereinigt und von einem vermögensorientierten Liabilitymanagement auf ein verbindlichkeitenorientiertes Assetmanagement umgestellt, wie es vor Jahrzehnten für das Bankwesen typisch war. Anders ausgedrückt: Die Fähigkeit, finanzielle Mittel zu akquirieren, bestimmt den Umfang der Bilanz. Im Folgenden erläutern wir an einigen Beispielen, warum einige dieser Änderungen dazu beitragen können, ein neues goldenes Zeitalter des Asset Managements einzuleiten.

Zum einen beschränkt der Basel-III-Konvergenzplan das für die Zusammenstellung der Eigenmittel in Frage kommende Wertpapieruniversum erheblich. Da die Kapitalkosten für Anlagen – und mithin ihre Attraktivität – zum Teil von den neuen Regelungen betroffen sind, müssen viele Banken infolgedessen zusätzliches Kapital beschaffen. Andererseits könnte dies auch als eine Übung in Effizienz aufgefasst werden; wie schon unter Basel II werden die Banken innerhalb des rechtlichen Rahmens nach Optimierungspotenzial suchen. Eine Möglichkeit hierzu wäre die Feinabstimmung der Assetsegmentierung. Wegweisende Assetmanagementtechniken wie Wertpapierselektion, Portfolioptimierung oder taktische Allokationsprogramme werden in Zeiten strengerer Vorschriften und den damit verbundenen höheren Kosten wieder ihre frühere Bedeutung gewinnen.

Zum zweiten sollte Kapital in guten Zeiten angespart werden, um schlechte Zeiten zu überstehen, d.h. der Prozess der Akkumulierung und Realisation von Kapitalrückstellungen verläuft antizyklisch. Diese neue Anforderung muss auch aus systemischer Perspektive als vorbeugende Maßnahme gegen Zeiten übermäßigen Kreditwachstums betrachtet werden. Für das Kapital und die Vermögenswerte, aus denen es sich zusammensetzt, impliziert dies neue Einschränkungen (z.B. ein im Voraus festgelegter ,Risk Envelope‘) und zusätzliche Techniken für ein effizientes Portfoliomanagement wie Absicherung, Derivatemanagement usw.

Drittens wird erheblich mehr Gewicht auf das Sicherheitenmanagement als Mittel zur Steigerung der Wiedereinziehungsquote und damit der Verringerung des Kontrahentenrisikos gelegt. Basel III bevorzugt Techniken zur Minderung des Kreditrisikos als einzig wirksames Instrument zur Reduzierung der Kreditengagements und Überschusskapitals – insbesondere im Hinblick auf Großkredite. Das Bedürfnis nach Absicherung wird steigen, bedenkt man die ständig zunehmende Granularität der Haftungsrisiken in den Bilanzen (z.B. kurzfristige Interbankenfinanzierung ist nicht länger von der Berechnung des Gesamtrisikos ausgeschlossen). Zugleich sollen die gleichen vorsichtigen Prinzipien für die Verwaltung des Anlageportfolios auch für Sicherheitenportfolios gelten, da diese letztendlich das Kreditrisiko in andere Risikoarten wie Markt-, Liquiditäts- oder operationelle Risiken umwandeln.

Schließlich müssen die Banken auch das Liquiditätsrisiko berücksichtigen. Von regulatorischer Seite wird der Regulierung und Überwachung der Liquidität ausdrücklich die gleiche Bedeutung zugemessen wie der Regulierung des Kapitals. Insbesondere hat der Baseler Ausschuss noch stärkeren Nachdruck auf solide Risikomanagementgrundsätze gelegt, wie z.B. die eindeutige Festlegung der Liquiditätsrisikotoleranz, die Ermittlung aller Quellen von Liquiditätsrisiken (d.h. auf beiden Seiten der Bilanz), das Vorhandensein eines operationellen Notfallfinanzierungsplans oder das Management von Intraday-Risiken und Sicherheiten. Er hat auch den Begriff des ‚Liquiditätspuffers‘ eingeführt, der aus liquiden Mitteln besteht und zur Absicherung gegen schwer wiegende ungünstige Liquiditätslagen dienen soll. Interessanterweise könnten diese neuen Anforderungen selbst neue systemische Risiken schaffen, da die vorgelegte Definition liquider Vermögenswerte stark auf Staatsanleihen konzentriert ist. So wird z.B. die Liquidity Coverage Ratio als der Bestand qualitativ hochwertiger liquider Vermögenswerte dividiert durch die geschätzten Nettobarabflüsse unter einem bestimmten akuten Stressszenario in einem Zeitraum von 30 Tagen definiert. In diesem Zusammenhang könnte das Geschäftsmodell von strukturellen Liquiditätsliferanten in Frage stehen. Da einerseits vertragliche Barmittelzuflüsse konzerninterner Engagements bei der Berechnung der Nettoliquiditätsflüsse unberücksichtigt bleiben müssen und andererseits qualitativ hochwertige Vermögenswerte über dem Wert der Rückstellung für Barmittelabflüsse gehalten werden müssen, kommen diese Institutionen nicht umhin, einen Pool liquider Vermögenswerte zu verwalten. Für Banken, die bisher keine gründliche Sachkenntnis auf diesem Gebiet entwickeln konnten, wäre dies an sich schon eine völlig neue Tätigkeit.

Die Krise, die 2007 begann, sollte nicht als unmittelbares Scheitern von Basel II betrachtet werden. Zu dieser Zeit war Basel II in den USA noch nicht einmal umgesetzt, und die Ursachen der Krise sind bereits in den vorangegangenen Jahren zu suchen. Obwohl Basel II nicht als absolut zwecklos oder widersinnig bezeichnet werden kann, ist es nicht fehlerfrei: Die Finanzkrise hat gezeigt, dass einige Elemente von Basel II nicht richtig funktioniert hatten und dringend der Verbesserung bedurften. Oberste Priorität des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht ist die Stärkung der Kapitalpuffer und die Beschränkung des Fremdkapitalanteils im Bankensystem aus bilanziellen und außerbilanziellen Aktivitäten: Der Bankensektor sollte seiner traditionellen Rolle als ‚Puffer‘ des Finanzsystems nachkommen, statt das Risiko zwischen dem Finanzsektor und der Realwirtschaft zusätzlich zu verstärken. Die Geschichte wird zeigen, inwieweit durch ‚Basel III‘ künftige Turbulenzen an den Finanzmärkten vermieden werden können.

Contacts

Name:
Marco Lichtfous
Company:
Deloitte Luxembourg
Job Title:
Partner - Capital Markets/Financial Risk
Phone:
+352 45145 4876
Email
mlichtfous@deloitte.lu

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