Chinas Seltene Erden: Ein Grund zur Klage?China Poll: Das Meinungsbarometer zum Wirtschafts- und Kulturraum China |
ChinaPoll ist eine gemeinsam mit unserem Kooperationspartner Chinaforum Bayern e.V. durchgeführte Online-Meinungsumfrage. Alle zwei Monate greifen wir ein aktuelles Thema aus dem Reich der Mitte auf und liefern so ein Stimmungsbild bezüglich der aktuellen Entwicklung in den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft und Politik in China.
Seltene Erden und die Klage vor der WTO:
Unser Thema im Mai 2012:
Mit einer Klage vor der Welthandelsorganisation (WTO) wollen die EU, Japan und die USA China dazu zwingen, mehr der wichtigen Seltenen Erden für die internationale Industrie zu exportieren. Peking verteidigt hingegen die vor geraumer Zeit eingeführten Ausfuhrbeschränkungen mit dem Verweis auf Umweltschutz und nachhaltige Entwicklung.
In unserer Maiumfrage wollten wir von Ihnen wissen, wie Sie die Klage der EU, Japan und der USA vor der WTO beurteilen.
Wir bedanken uns bei 135 Teilnehmern fürs Mitmachen und die zahlreichen interessanten Kommentare.
Nicht die Förderung gibt den Ausschlag
58,5% der Befragten vertraten die Ansicht, dass China nicht gezwungen werden dürfe, Seltene Erden in großem Umfang zu exportieren, da der Abbau dieser Metalle giftige Rückstände und Abwässer verursache. China fördere zwar 95% des weltweiten Verbrauchs Seltener Erden, verfüge jedoch nur über ein Drittel der Vorkommen. Daher sollten die klagenden Länder zuerst andere Quellen erschließen, bevor sie vor die WTO ziehen.
Einige Teilnehmer merkten hierzu an, dass sich durch das Recycling von Elektroschrott erhebliche Mengen an Seltenen Erden gewinnen ließen. Weiterhin hätten viele Länder in der Vergangenheit strategische Reserven der Metalle angehäuft. Diese Quellen sollten nun vorrangig verwendet werden, bevor Klage bei der WTO erhoben wird.
Andere Befragte äußerten, dass man den Zugang zu den Rohstoffen eines Landes nicht erzwingen dürfe, insbesondere dann nicht, wenn dessen Ausbeutung die Umwelt schädigt. Diesbezüglich wurde vorgebracht, dass erst durch den mangelnden Weitblick der Industrieländer die derzeitige Situation entstehen konnte. Ein Unternehmer wies darauf hin, dass er bereits von fünf Jahren darauf aufmerksam gemacht wurde, dass China den Export von Seltenen Erden deutlich einschränken würde.
Ein Teilnehmer schlug vor, in Verhandlungen mit der chinesischen Regierung die Ausfuhrbeschränkungen so lange herauszuschieben, bis die erforderlichen Zusatzkapazitäten in anderen Ländern aufgebaut worden sind.
Ein weiterer Befragter konnte der derzeitigen Lage auch etwas Positives abgewinnen: Seiner Meinung nach könnten von der Neu- bzw. Wiedererschließung von Abbaugebieten außerhalb Chinas auch deutsche Ingenieurbüros und Bergbaufirmen profitieren.
Nutzt China seine Monopolstellung aus?
41,5% der Teilnehmer vertraten die Ansicht, dass die Klage der EU, Japans und der USA vor der WTO gerechtfertigt sei. Lange Zeit habe China aufgrund günstiger Förderkosten Seltene Erden zu sehr niedrigen Preisen auf dem Weltmarkt verkauft und somit zur Schließung zahlreicher ausländischer Mienen beigetragen. Nun könne es nicht seine Quasi-Monopolstellung ausnutzen, um sich Wettbewerbsvorteile zu sichern und die Weltmarktpreise in die Höhe zu treiben.
Vertreter dieser Ansicht begründeten dies in erster Linie damit, dass China seine Ausfuhrbeschränkungen zwar mit Umweltschutz begründe, in der Praxis jedoch keinerlei Maßnahmen zum Schutz der Umwelt beim Abbau Seltener Erden vornehmen würde. Ihrer Ansicht nach diene die Exportdrosselung lediglich dem Ziel, die Preise der Metalle in die Höhe zu treiben. Die Befragten bezeichnen das Argument des Umweltschutzes als „vorgeschoben“ und „Pauschalphrase“.
Abschließend äußerte sich ein Teilnehmer dahingehend, dass der Streit um die Seltenen Erden eher kurzfristig sei. Da alle Länder auf den Austausch von Rohstoffen angewiesen seien, erachtet er eine Lösung des Konflikts durch Verhandlungen als wahrscheinlich. Darüber hinaus äußert er sich zuversichtlich, dass die Wissenschaft schon bald in der Lage sein wird, geeignete Ersatzstoffe für „Seltene Erden“ zu finden und somit die Abhängigkeit von China zu reduzieren
Die Umfrage im Detail
Da der Abbau von Seltenen Erden giftige Rückstände und Abwässer verursacht, kann China nicht gezwungen werden, auf Kosten seiner Umwelt „Seltene Erden“ in großem Umfang für den Weltmarkt bereit zu stellen. Darüber hinaus fördert China zwar rund 95% des weltweiten Verbrauchs der chemischen Elemente, verfügt jedoch lediglich über ein Drittel der Vorkommen. Die klagenden Länder sollten zuerst andere Quellen erschließen, bevor sie vor die WTO ziehen.
Die Klage der EU, Japan und der USA ist gerechtfertigt. Lange Zeit hat China aufgrund günstiger Förderkosten Seltene Erden zu sehr niedrigen Preisen auf dem Weltmarkt verkauft und somit zur Schließung zahlreicher ausländischer Mienen beigetragen. Nun kann es nicht seine Quasi-Monopolstellung ausnutzen, um sich Wettbewerbsvorteile zu sichern und die Weltmarktpreise in die Höhe zu treiben.
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