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Deloitte & Touche GmbH
Björn Barth
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Düsseldorf, 08. Oktober 2004 - In den vergangenen vier Jahren entwickelte sich die Konkurrenz- und Preissituation in der IT Branche ähnlich der in der Bauindustrie in den Neunzigern. Durch fallende Preise und eine verschärfte Konkurrenzsituation müssen neue Möglichkeiten, um ein positives Endergebnis zu sichern, gesucht werden. Unternehmen der IT Branche tendieren bei Großprojekten teilweise dazu, ihre Leistungen unter Wert und damit mit Verlust anzubieten. Die Gründe dafür: Zum einen müssen die Unternehmer Umsatz sichern und zum anderen stoßen sie immer häufiger auf vertragliche Ungereimtheiten und ungenau formulierte Anforderungen, die Nachträge erlauben. Aufgrund dieser Vorgehensweise drohen enorme nachträgliche Budgeterhöhungen. Negativbeispiele sind die in die Schlagzeilen geratenen Projekte, die Budgeterhöhungen in Höhe von 300 Prozent und mehr nach sich zogen. Trotz eindeutig geregelten vertraglichen Bedingungen sind die meisten Auftraggeber nicht in der Lage, ihre eigenen Interessen zu wahren.
Deloitte stellt in einer Untersuchung fest, dass die meisten Verträge unzureichende Prozessbeschreibungen für Änderungen, Ergänzungen oder Eskalationsklauseln mit klar definierten Stufen der Konfliktbewältigung enthalten. Bei den Verträgen, bei denen Prozesse und Anforderungen eindeutig beschrieben wurden, fehlte es meistens an Durchsetzungsvermögen und Verhandlungssicherheit. Mediation als Konfliktlösungsstufe ist fast gar nicht vorhanden. Die Untersuchung ergab, dass immer mehr Outsourcing und IT Firmen Vertragsmanager einstellen wollen oder bereits eigene Vertragsmanagementabteilungen eingerichtet haben. Sie sollen die kaufmännische und vertragliche Seite der komplexen Vertragsabwicklung sichern.
Ähnlichkeiten in der Entwicklung von Bau und IT Branche
Die Baubranche gab die Richtung vor und die IT zieht gegenwärtig nach. Vor fünfzehn Jahren, als die Bauindustrie noch florierte, waren die Tagessätze akzeptabel, Bauingenieure führten große nationale und internationale Projekte mit einem geringen Anteil an Claims Management. Mitte der Neunziger entwickelten sich die BOT (Build, Operate, Transfer) und Facility Management Modelle. Aufgrund der Schonung des Cash Flows durch reduzierte Investitionsauslagen lohnte sich das Geschäft für den Kunden, solange die Anforderungen klar definiert, keine Änderungen vorgenommen und die Vertragsbedingungen eingehalten wurden. Die Outsourcing, Application Management und Process Outsourcing Modelle der IT Industrie gleichen diesen Modellen in vielerlei Hinsicht und sind mit ähnlichen Gefahren behaftet.
Die neunziger Jahre waren in der Baubranche außerdem geprägt durch eine schnelle Entwicklung der Ausschreibungsmethodik. Der Pauschal-Festpreis ersetzte die detaillierte Leistungsbeschreibung und ermöglichte die „Funktionale Ausschreibung“. Das bedeutete, dass der Unternehmer bei geringstmöglichem Preis das volle Risiko übernehmen sollte. Damals entstand ein Vertragsmanagement-Dienstleistungsangebot von so genannten Allroundern, die nicht nur Projekterfahrung, sondern auch quasi-juristische Fähigkeiten besaßen. Sie sollten die Nachträge und Zusatzaufträge abwehren. Das Vertragsmanagement wurde zum festen Bestandteil eines Projektes. Die Tendenz zu Pauschal-Festpreis-Ausschreibungen und die gewollte Übertragung der Risiken ist in der IT Industrie bereits üblich. Es fehlt allerdings ein genau bestimmtes Dienstleistungsangebot zur Abwehr von Nachträgen und Zusatzaufträgen. Sobald die Funktionale Ausschreibung eingeführt wird, wird dieses Dienstleistungsangebot absolut unverzichtbar sein.
Im Vergleich der im Markt erzielbaren Stundensätze beider Branchen, macht es die IT den Bauleuten nach. IT Stundensätze für Beratung und Realisierung liegen im unteren Bereich bei ungefähr 40 bis 50 Euro pro Stunde, bei freien Mitarbeitern etwa bei 60 Euro. In der Bauindustrie erhält ein Bauingenieur Stundensätze zwischen 45 und 70 Euro pro Stunde. Hoher Druck lastet auf der IT Industrie insbesondere unter Berücksichtigung der Tatsache, dass die IT Gehälter höher sind als in der Bauindustrie. Einen weiterer Unterschied: Die Bauindustrie ist, anders als die IT Branche, gesetzlichen Regelungen bei Planungs- und Überwachungsleistungen unterworfen.
Schutz vor Nachträgen und unkontrollierte Änderungen
Wie kann sich ein IT Manager aufgrund der ähnlichen Entwicklung der Branchen, vor Nachträgen zum komplexen IT Vertrag oder unkontrollierten Anforderungs- und Leistungserweiterungen schützen?
Eine eigene juristische Abteilung kann helfen. Meist fehlen aber Projekterfahrung und das Verständnis für Zusammenhänge. Zudem werden die Juristen im Regelfall erst nach Nachtragsstellung informiert. Externe Kanzleien haben aufgrund eines unzureichenden Projektverständnisses ähnliche Probleme, Zusammenhänge aufzuzeigen. Die Alternative, einen Vertragsmanager einzustellen, führt zu erhöhten Personalkosten.
Zukünftige Entwicklung
In den nächsten Jahren muss sich ein neuer Dienstleistungsbereich entwickeln. Es ist abzusehen, dass die Entwicklung auf dem IT Markt weiter entsprechend dem der Bauindustrie verlaufen wird. Eine umfassende Überwachung von Projekten vom Beginn des Auftrags bis hin zu der „schlüsselfertigen Übergabe“ des Systems im Sinne des Auftraggebers gewinnt immer mehr an Bedeutung. Weitere Entwicklungen wie eine Honorarordnung für IT Beratung gekoppelt mit einer zukünftigen Verdingungsordnung für IT Leistungen wären sicherlich nicht von der Hand zu weisen.
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Deloitte Deutschland
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