WEDIT Deloitte & Touche startete mit großem Optimismus ins neue Jahrtausend. Das wirtschaftliche Umfeld in Deutschland war gut. Die Old Economy befand sich immer noch im Konjunkturhoch und am neuen Markt herrschte weiterhin Wachstumseuphorie. Auch international standen die Zeichen auf Expansion: 2002 sollten der Euro eingeführt und die Osterweiterung der EU auf den Weg gebracht werden. Die Globalisierung schritt voran.
Auf Wachstumskurs
Die Ende der 90er-Jahre eingeleitete Vereinheitlichung der Strategien und Strukturen innerhalb des internationalen Netzwerks von Deloitte zeigte innerhalb weniger Jahre Wirkung. Die weltweit agierenden Kunden des Netzwerks, das mittlerweile unter Deloitte Touche Tohmatsu (DTT) firmierte, honorierten das umfassende Angebot von Dienstleistungen aus einer Hand auf global übereinstimmend hohem Qualitätsniveau. DTT konnte sich bis 2004 auf Platz zwei unter den weltweit größten Prüfungs- und Beratungsgesellschaften vorschieben. Deloitte & Touche Deutschland trug mit einem Umsatzsprung von fast 70 Prozent zum Erfolg des internationalen Netzwerks bei.
Das Ende der Euphorie in Deutschland
Gleichzeitig geriet allerdings die deutsche Wirtschaft in eine Krise. Bereits im März 2000 war die Spekulationsblase am Neuen Markt geplatzt. In folgenden 18 Monaten verlor der NEMAX 95 Prozent seines Wertes und wurde 2003 schließlich ganz vom Markt genommen. Auch der DAX gab kräftig nach. Ebenso wie die Wachstumstitel gerieten die Blue Chips der deutschen Wirtschaft in den Sog der Rezession, während der Mittelstand im Vorfeld der verschärften Eigenkapitalrichtlinie von Basel II immer größere Probleme bei der Außenfinanzierung über Bankkredite hatte. Die Schockwirkung des 11. September 2001 verschärfte die Rezession. 2003 verzeichnete die deutsche Wirtschaft ein Minuswachstum von 0,2 Prozent.
Die Konjunkturschwäche wirkte sich auch auf die Prüfungs- und Beratungsgesellschaften aus. Deloitte & Touche Deutschland konnte sich zwar im verschärften Wettbewerb behaupten, verzeichnete jedoch erstmals seit Jahren keine zweistelligen Zuwachsraten mehr.
Enron, WorldCom und die Folgen
Stärker noch als die Rezession traf die Prüfungs- und Beratungsgesellschaften jedoch der weltweite Reputationsverlust nach einer Folge spektakulärer Bilanzskandale. Im Oktober 2001 brach der US-Energieriese Enron nach dem Bekanntwerden von milliardenschweren Bilanzverschleierungen zusammen. In den folgenden Monaten wurden bei weiteren führenden US-Unternehmen Bilanzmanipulationen in Milliardenhöhe aufgedeckt. Der Konkurs des Telekommunikationsunternehmens WorldCom im Juli 2002 entwickelte sich zur bis dahin größten Firmenpleite der USA.
In dieser Situation brach auch die Diskussion über eine verstärkte Kontrolle von Unternehmen und Wirtschaftsprüfern wieder auf. In den USA erfuhren Kapitalmarkt, Unternehmensführung und Wirtschaftsprüfung Ende Juli 2002 durch den Sarbanes-Oxley Act die umfassendste Reglementierung seit der Weltwirtschaftskrise. Gleichzeitig wurde die Berufsaufsicht über die US-Wirtschaftsprüfer einem Aufsichtsgremium der amerikanischen Börsenaufsicht SEC übertragen. Auch in den anderen Industrienationen wurden strenge Regelwerke zur Corporate Governance und zum Berufsstand der Wirtschaftsprüfer verabschiedet.
Die Prüfungs- und Beratungsgesellschaften bemühten sich in dieser Situation um die Rückgewinnung von Ansehen und Vertrauen. Für die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Arthur Andersen, die jahrelang die Enron-Abschlüsse uneingeschränkt testiert hatte, war dieser Kampf nicht zu gewinnen. Unter dem Druck staatsanwaltlicher Ermittlungen und Schadenersatzforderungen in Millionenhöhe zerfiel das weltweite Andersen-Netzwerk im Sommer 2002.
Schärfere Regulierung
Auch in Deutschland wurde die Arbeit der Wirtschaftsprüfer nach spektakulären Bilanzskandalen wie dem Fast-Konkurs des Bauunternehmens Philipp Holzmann, der Pleite des Technologieanbieters Flowtex sowie den Finanzmanipulationen beim EM.TV-Konzern hinterfragt. Im Januar 2001 wurde mit der 4. Novelle der Wirtschaftsprüferordnung die externe Qualitätskontrolle für Wirtschaftsprüfer eingeführt. Ein Jahr später konkretisierte das Transparenz- und Publizitätsgesetz unter anderem Gegenstand und Umfang von Abschlussprüfung und Prüfungsbericht.
Im Rahmen der EU wurden die gesetzlichen Vorgaben für Unternehmen und Wirtschaftsprüfer immer weiter verschärft. Im Mai 2006 verabschiedete die EU-Kommission eine Reform der Abschlussprüferrichtlinie, die die Anforderungen an die Unabhängigkeit und Qualitätssicherung der Wirtschaftsprüfung nochmals erhöhte. In Deutschland wurden wesentliche Inhalte bereits im Vorfeld umgesetzt: Das Bilanzrechtsreformgesetz, das Bilanzkontrollgesetz und das Abschlussprüferaufsichtsgesetz (alle 2005) sowie die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung und die Abschlussprüferaufsichtskommission sollen Qualität, Transparenz und Unabhängigkeit sichern und dadurch den Finanzplatz Deutschland stärken.
Weichenstellung: Die interne Qualitätssicherung und der Beratungssektor werden gestärkt
Deloitte Deutschland reagierte schon früh auf die Vertrauenskrise der Branche. Die internen Maßnahmen zur Qualitätssicherung im Bereich der Praxisorganisation, Auftragsdurchführung und internen Nachschau wurden bereits vor der Einführung der externen Qualitätskontrolle weiter verschärft. Spezielle EDV-Monitoring-Systeme sollen mögliche Konfliktfälle im Hinblick auf die Unabhängigkeit der Abschlussprüfung schon vor der Auftragsannahme ausschließen und überprüfen darüber hinaus weltweit die persönliche Unabhängigkeit der Mitarbeiter.
Building the Multidisciplinary Firm
Trotz dieser hohen Qualitätsstandards konnte sich Deloitte Touche Tohmatsu der Debatte über die Unabhängigkeit von Wirtschaftsprüfern nicht entziehen. Parallel zur Entstehung des Sarbanes-Oxley Act wurde erneut diskutiert, ob Abschlussprüfung und Beratung nicht strikt voneinander getrennt werden sollten. Während aber die übrigen führenden Prüfungs- und Beratungsgesellschaften ihre Consulting-Sparten ausgliederten, gingen die Mitgliedsgesellschaften von Deloitte Touche Tohmatsu genau in die entgegen gesetzte Richtung und führten Prüfung und Beratung unter Wahrung der gesetzlichen Vorschriften noch enger zusammen. Sie waren überzeugt, dass sich komplexe wirtschaftliche Sachverhalte und Entscheidungen nicht auf einen Fachbereich reduzieren lassen. Durch die multidisziplinäre Ausrichtung kann DTT den Mandanten eine umfassende Kompetenz aus den Bereichen Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung, Consulting und Corporate Finance anbieten.
Die strategische Neupositionierung der Gesellschaft wurde von einem neuen einheitlichen Unternehmensauftritt begleitet, der weltweiten Einführung des Brands Deloitte, unter dem zukünftig alle Ländergesellschaften auftraten.
Von der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft zur Beratungs- und Prüfungsgesellschaft
Unter dem Eindruck der schärferen staatlichen Regulierung verschoben sich seit 2000 die Gewichte innerhalb der Geschäftsbereiche von Deloitte Deutschland: Steuerberatung, Corporate Finance sowie spezielle Angebote im Consulting-Bereich legten stark zu. Mit dem vollständigen Erwerb der Deutschen Baurevision im Jahr 2005 und dem Kauf der Essener innova AG im Jahr darauf stärkte Deloitte Deutschland seine Position im Bereich der Immobilienwirtschaft. Im Gesundheitsbereich erweiterte das Unternehmen seine Kompetenzen im Jahr 2006 durch die Übernahme der „GEBERA Gesellschaft für betriebswirtschaftliche Beratung mbH". Deloitte Deutschland wandelte sich von der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft zur Beratungs- und Prüfungsgesellschaft mit einem breiten Kompetenzspektrum.
Denken an Morgen
Begonnen hat alles 1907 mit einer kleinen Treuhandgesellschaft in München. Heute, 100 Jahre später, zählt Deloitte Deutschland zu den führenden Beratungs- und Prüfungsgesellschaften der Bundesrepublik – eine Erfolgsgeschichte, die das Unternehmen zuversichtlich in die Zukunft blicken lässt. Die fortschreitende Globalisierung stellt Deloitte und seine Kunden gleichermaßen vor große Herausforderungen. Bester Dienst am Kunden bleibt weiterhin der Maßstab. Die Basis dafür sind ein hoher Qualitätsstandard, ein engagiertes Team, der multidisziplinäre Ansatz sowie die Einbindung in das starke internationale Netzwerk. Und nicht zuletzt eine historisch gewachsene Unternehmenskultur, die für partnerschaftlichen Umgang und Respekt gegenüber Mandanten und Mitarbeitern steht.