Bis in die 70er-Jahre hinein hatten die westlichen Industrienationen in dem sicheren Bewusstsein gelebt, dass das wirtschaftliche Wachstum umgebremst weitergehen würde. Diese Sicherheit wurde in den 80er-Jahren endgültig infrage gestellt. Die Konjunkturschwankungen verstärkten sich. Ende 1979 löste der zweite Ölpreisschock eine jahrelange Rezession aus, der gegen Mitte des Jahrzehnts ein regelrechter Boom folgte, bis die allgemeine Euphorie im Oktober 1987 durch den „Schwarzen Montag“ der New Yorker Börse einen nachhaltigen Dämpfer erhielt. Die Globalisierung gewann an Schubkraft, gleichzeitig verstetigte sich in Westeuropa und Nordamerika die strukturell bedingte hohe Arbeitslosigkeit. Globale Krisenereignisse wie der Reaktorunfall von Tschernobyl im Frühjahr 1986 verschärften das Gefühl, sich auf dem Weg in die Risikogesellschaft zu befinden.
Die Prüfungs- und Beratungsgesellschaften waren von diesen krisenhaften Entwicklungen weniger stark betroffen als andere Wirtschaftsbereiche. Im Gegenteil: Sie profitierten von der wachsenden Bedeutung des Dienstleistungssektors, in dem sie verstärkt tätig wurden. Der Beratungsbereich wurde gezielt ausgebaut. Gleichzeitig bündelten die Prüfungs- und Beratungsgesellschaften durch Fusionen ihre Kompetenz und nutzten Synergie-Effekte.
In der Bundesrepublik ließ das Bilanzrichtliniengesetz von 1985, mit dem das deutsche Bilanzrecht im Zuge der Harmonisierung der europäischen Rechnungslegung grundlegend neu gestaltet wurde, den Bedarf an Prüfungs- und Beratungsleistungen sprunghaft ansteigen. Die Wachstumsraten in diesem Bereich lagen während der 80er-Jahre nicht nur bei den Vorläufergesellschaften von Deloitte in Deutschland deutlich über dem bundesrepublikanischen Durchschnitt.
Strategie gegen die Wirtschaftskrise: Der Ausbau der Beratungsdienstleistungen
Die Partnergesellschaften der Dr. Wollert – Dr. Elmendorff KG erzielten zu Beginn der 80er-Jahre zwar durchweg gute Umsätze, angesichts der Rezession bauten sie zugleich aber ihre Steuer- und Wirtschaftsberatung erfolgreich aus. 1986 machten die Einkünfte aus der Beratung bereits knapp ein Viertel des Gesamtumsatzes des Verbundes aus. Auch bei den Sonderprüfungen und Gutachten wurden kräftige Steigerungen erreicht. Die Partnergesellschaften der Dr. Wollert – Dr. Elmendorff KG waren 1990 deutlich breiter aufgestellt als zehn Jahre zuvor.
„Portfolio-Mapping“ und „M&A“ – die strategische Unternehmensberatung boomt
Der Bedarf an Beratungsleistungen stieg in den 80er-Jahren nicht zuletzt deshalb, weil die Unternehmen sich restrukturieren mussten, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Im Rahmen eines „Portfolio-Mappings“ wurden starke Geschäftsfelder ausgebaut und unrentable Unternehmensbereiche abgestoßen. Dadurch stieg zugleich die Zahl der Firmenübernahmen und Fusionen sprunghaft an. Immer mehr europäische Unternehmen blickten dabei auch über ihre Landesgrenzen hinaus. Beflügelt vom Verfall des US-Dollars in der zweiten Hälfte der 80er-Jahre, investierten sie verstärkt auch in den Vereinigten Staaten. Grenzübergreifende Firmenkäufe dieser Größenordnung erforderten ein juristisches und betriebswirtschaftliches Spezialwissen, das die Vertragsparteien kaum noch selbst aufbringen konnten. Zur Beratung ihrer Kunden richteten daher zunächst die großen US-Investmentbanken und schließlich auch die internationalen Prüfungs- und Beratungsgesellschaften eigene Abteilungen für „Mergers and Acquisitions“ (M&A) ein. M&A-Beratung gewann in den 80er-Jahren auch für die deutschen Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaften zunehmend an Bedeutung. Die Vorläufergesellschaften von Deloitte in Deutschland konnten dabei auf ihre jahrzehntelange Erfahrung im Bereich der Unternehmensbewertung zurückgreifen.
Von den „Big Eight“ zu den „Big Six“ – die Prüfungsgesellschaften fusionieren
Auch die Prüfungs- und Beratungsgesellschaften selbst erlebten in den 80er-Jahren Restrukturierungen und Fusionen. Aus den „Big Eight“, den acht weltweit führenden Prüfungs- und Beratungsunternehmen, wurden durch Firmenzusammenschlüsse die „Big Six“. Auf Platz zwei rangierte dabei, neben der ebenfalls neu formierten KPMG, Deloitte & Touche. Diese Gesellschaft war im Sommer 1989 aus dem Zusammenschluss von Deloitte Haskins & Sells mit der traditionsreichen angloamerikanischen Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Touche, Ross & Co. entstanden.
Wachstum durch Kräftebündelung: Die Gründung der WEDIT
Die internationale Konsolidierung der großen Prüfungs- und Beratungsgesellschaften zog auch Zusammenschlüsse auf nationaler Ebene nach sich. In Deutschland schlossen sich im Laufe der 80er-Jahre zahlreiche kleinere und mittlere Prüfungs- und Beratungsgesellschaften zu größeren Verbünden zusammen. Ausschlaggebend waren dafür neben den erhofften Synergien vor allem die durch die Verabschiedung des Bilanzrichtliniengesetzes gestiegenen Anforderungen an die Unabhängigkeit und Qualität der Pflichtprüfung. Auch die wachsenden Haftungsrisiken waren von starken Großgesellschaften leichter zu tragen als von kleinen Einzelbüros. Vor allem aber konnten die großen Prüfungs- und Beratungsgesellschaften mit ihren Expertenteams dem Wunsch ihrer Kunden nach spezialisierten und zugleich umfassenden Prüfungs- und Beratungsleistungen besser gerecht werden.
Im Oktober 1986 gaben die Dr. Wollert – Dr. Elmendorff KG und die DIT ihre Absicht bekannt, ihre Geschäfte zukünftig gemeinsam unter der Firma WEDIT zu betreiben. Die Dr. Wollert – Dr. Elmendorff KG profitierte dabei auch von der ausgewiesenen Expertise der DIT im Bereich der Unternehmensberatung. Zudem gewann sie mit der DIT ein starkes Standbein in Norddeutschland, wo sie bis dahin nur schwach vertreten gewesen war. Die DIT wiederum erhielt über den Zusammenschluss mit der Dr. Wollert – Dr. Elmendorff KG Zugang zum internationalen Netzwerk von Deloitte & Touche. Dadurch konnte damit sie ihre mittelständischen Mandanten auch bei den wachsenden Auslandsunternehmungen unterstützen. Die durch die Fusion der beiden Gesellschaften erzeugten Synergieeffekte wurden schnell deutlich: Innerhalb weniger Jahre schloss die WEDIT zu den sechs größten deutschen Prüfungsgesellschaften auf.