Die 50er-Jahre waren auch für die Vorläufergesellschaften der Deloitte & Touche GmbH ein erfolgreiches Jahrzehnt. So überstiegen die Umsätze der Südtreu im Jahr 1951 erstmals die Millionengrenze und verdoppelten sich bis 1960. Bereits drei Jahre zuvor hatten sich die Geschäfte so gut entwickelt, dass ein Grundstück gekauft und ein neuer Firmensitz in München errichtet werden konnte.
Die Baurevision war in jenen Jahren eng mit der Dr. Wollert – Dr. Elmendorff KG verbunden – zunächst über einen Geschäftsbesorgungsvertrag, dann ab 1953 über einen Arbeitsgemeinschaftsvertrag, in dessen Rahmen die Mandate beider Unternehmen klar voneinander abgegrenzt waren. Zudem vereinbarte man ein Personal-Pooling, das beiden Gesellschaften eine gleichmäßige Personalauslastung ermöglichte und dadurch ihre Rentabilität steigerte. Nicht zuletzt profitierten beide Unternehmen von der engen Verbindung zwischen der Baurevision und der öffentlichen Hand.
Entsprechend ging es auch bei der Dr. Wollert – Dr. Elmendorff KG immer weiter aufwärts. Unter anderem konnte das Unternehmen die Auto Union AG sowie die Flughafen-Betriebs GmbH in Düsseldorf als Kunden gewinnen. 1960 bestellte die Bundesbank die Dr. Wollert – Dr. Elmendorff KG als Co-Abschlussprüferin neben der bundeseigenen Treuarbeit.
Die DIT – Gründung einer weiteren Vorläufergesellschaft von Deloitte
In jenen Jahren betrat ein weiterer Akteur das Feld, der ebenfalls zu einer wichtigen Säule der späteren Deloitte & Touche GmbH werden sollte: Im Jahr 1953 gründetet sich in Hannover die Deutsche Industrie Treuhandgesellschaft mbH (DIT). Ins Leben gerufen wurde das Unternehmen von dem Wirtschaftsprüfer Kurt Lindheimer, der als führender Wirtschaftsprüfer in Hannover galt. Der Sohn eines Frankfurter Bücherrevisors hatte sich bereits in den 1930er-Jahren in Hannover niedergelassen und dort die bedeutendsten Industriemandate der Region betreut. Dank des allgemeinen Wirtschaftsaufschwungs in Deutschland entwickelte sich die DIT schon in den ersten Jahren ihrer Existenz zu einem florierenden Unternehmen. Einen wesentlichen Anteil daran hatten unter anderem auch die profilierten Steuerberater Georg Engelke und Herbert Hodemacher, mit denen Lindheimer Mitte der 50er-Jahre eine Bürogemeinschaft bildete. Dabei ergänzten sich beide Seiten perfekt, da der Schwerpunkt von Lindheimers Prüfungspraxis im ersten Quartal des Jahres lag, während die Leistungen Hodemachers und Engelkes vor allem im zweiten und dritten Quartal „Saison“ hatten. Darüber hinaus wandten sich zahlreiche – vornehmlich mittelständische – Mandanten der Steuerberater auch an die DIT, um sich freiwillig prüfen zu lassen. Im Jahr 1959 führte die erfolgreiche Kooperation zu einem gesellschaftlichen Zusammenschluss der vormaligen Bürogemeinschaft, die weiter unter dem Namen DIT firmierte.
Deutsch-amerikanische Kooperation
Das ausschlaggebende Ereignis dafür, dass die aufgeführten Unternehmen dereinst unter dem Namen Deloitte agieren würden, fiel in die frühen 50er-Jahre. Wieder war es die umtriebige Dr. Wollert – Dr. Elmendorff KG, die hier die Initiative übernehmen sollte: Bei einer Veranstaltung des IDW Ende 1951 zur Begegnung und zum Austausch deutscher und niederländischer Wirtschaftsprüfer lernte Heinrich Wollert den Partner einer Amsterdamer Wirtschaftsprüfergesellschaft kennen, die ihrerseits die US-Gesellschaft Haskins & Sells in den Niederlanden vertrat. Bei der Gelegenheit erfuhr Wollert, dass Haskins & Sells einen Repräsentanten in Deutschland suchte – und meldete sofort sein Interesse an. Einige Monate darauf traf sich Wollert mit einem geschäftsführenden Partner der US-Gesellschaft in Paris und trat so überzeugend auf, dass dieser noch am selben Tag mit Wollert nach Düsseldorf, dem Sitz der Dr. Wollert – Dr. Elmendorff KG, reiste. Im Frühling 1952 erfolgte dann der Abschluss eines „Representative Agreement“ – in diesem wurde festgeschrieben, dass das Düsseldorfer Unternehmen künftig alle Prüfungsaufträge von Haskins & Sells in Deutschland übernehmen sollte. Ganz besonders attraktiv war in diesem Zusammenhang das Mandat als Abschlussprüfer bei Opel, einem langjährigen Kunden von Haskins & Sells.
Parallel zu der Entwicklung in Deutschland hatte sich Haskins & Sells in den USA mit der amerikanischen Vertretung von Deloitte, Plender, Griffith & Company zusammengeschlossen und firmierte fortan unter den Namen Deloitte, Plender, Haskins & Sells. Damit tauchte der Name Deloitte zum ersten Mal in Deutschland auf.