Die Weimarer Republik war durch den vorangegangenen Krieg und die Bedingungen des Versailler Vertrages mit einer schweren Hypothek belastet. Das deutsche Treuhand- und Revisionswesen erhielt durch die wirtschaftlichen Krisen der Weimarer Republik allerdings entscheidende Impulse, da sie den Bedarf an qualifizierter Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung erhöhten.
Eine grundlegende Zäsur bedeutete 1919 die von Matthias Erzberger konzipierte Finanz- und Steuerreform, die zahlreiche Neuerungen mit sich brachte. Sie schuf finanzielle Spielräume für den Staat, zugleich erhöhte sie bei Privatleuten und in Unternehmen den Bedarf nach Beratung in Finanz- und Steuerfragen. Der enge Zusammenhang von Steuerberatung, Buchführung und Bilanzierung führte dazu, dass vor allem kaufmännische Sachverständige, Buchführungsfachkräfte und Angehörige der verschiedenen Berufe des Revisions- und Treuhandwesens als Steuerberater herangezogen wurden. Verbindliche standesrechtliche Regelungen über Ausbildung oder Zulassungsbedingungen für die Steuerberatung indes existierten in jenen Jahren noch nicht.
Auch für Anbieter von Prüfungsleistungen gab es zu Beginn der Zwanzigerjahre keine Zugangsregelungen im Rahmen einer reichseinheitlichen berufsständischen Organisation – es fehlte die gemeinsame Linie. Erst nach der Währungsreform 1924 änderte sich die Situation. Die verstärkte Aktivität ausländischer Investoren in Deutschland erhöhte die Nachfrage nach professionellen Prüfern. Da das Angebot in Deutschland für viele Investoren nicht befriedigend schien, ließen sie die Unternehmen, bei denen sie sich engagieren wollten, bevorzugt von ihren eigenen angloamerikanischen Audit Companies prüfen. Diese Prüfungsgesellschaften wie „Deloitte“, „Whinney, Ernst & Ernst“, „Price Waterhouse“ oder „Haskins & Sells“ eröffneten seit Mitte der Zwanzigerjahre Büros in Deutschland. Damit schufen sie eine Konkurrenzsituation, die letzten Endes mitverantwortlich für die Entstehung des Berufstandes der Wirtschaftsprüfer war.
Die Deutsche Baurevision entsteht
In jene Zeit fällt auch die Gründung der „Deutsche Baurevision Revisions- und Treuhandgesellschaft für die Bauwirtschaft GmbH“ – eine der Wurzeln des heutigen Unternehmens Deloitte Deutschland. 1928 in Berlin gegründet, beriet die neue Gesellschaft bauwirtschaftliche Betriebe und gemeinnützige Gesellschaften für den Wohnungsbau und führte Geschäfts-Revisionen aller Art durch.
Von der „Hauptstelle für Bilanzprüfer“ zum „Institut der Wirtschaftsprüfer“
Die ökonomische Lage zu Beginn der Dreißigerjahre gestaltete sich ausgesprochen kritisch. Weltwirtschaftskrise und der Börsencrash am Schwarzen Donnerstag brachten auch in Deutschland zahlreiche Unternehmen in ernste Bedrängnis – unter anderem dadurch, dass US-amerikanische Banken ihre Kredite kurzfristig kündigten und Kapital aus Deutschland abgezogen wurde. In dieser Zeit kam es zu einigen spektakulären Finanzskandalen, die zu einem fortgesetzten Vertrauensverlust seitens der Öffentlichkeit führte – und mittelbar zur gesetzlichen Einführung einer jährlichen Pflichtrevision privater Versicherungsunternehmen und Bausparkassen, später auch von Wirtschaftsbetrieben der öffentlichen Hand.
Generell gilt das Jahr 1931 sowohl als „Geburtsjahr“ des Berufsstandes der Wirtschaftsprüfer als auch seiner ersten Dachorganisation, deren Bildung bereits im Frühjahr 1930 im Vorfeld der geplanten großen Aktienrechtsreform angestoßen worden war. Verstärkend und beschleunigend wirkte zudem die unveränderte Nachfrage ausländischer Investoren nach mehr Sicherheit. Im April 1931 hatten sich die Länder mit dem Deutschen Industrie- und Handelstag (DIHT) sowie dem „Institut für das Revisions- und Treuhandwesen“ auf ein gemeinsames Programm geeinigt, das unter anderem die Errichtung einer „Hauptstelle für öffentlich bestellte Bilanzprüfer“ vorsah. Diese Bilanzprüfer wurden jetzt erstmals als „Wirtschaftsprüfer“ bezeichnet. Im Juni 1931 gründeten in Berlin Vertreter des DIHT, des „Instituts für das Revisions- und Treuhandwesen“ sowie der Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft die vereinbarte „Hauptstelle für die öffentlich bestellten Wirtschaftsprüfer“ zur Erstellung von Richtlinien für die Errichtung von Zulassungs- und Prüfungsstellen sowie zur Ausarbeitung von Zulassungsbedingungen sowie Prüfungs- und Berufsordnungen. Im Jahr 1932 schließlich wurde das „Institut der Wirtschaftsprüfer“ gegründet.